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Reaktion auf Pisa: Kultusministerkonferenz legt erste Entwürfe für bundesweite Bildungsstandards in Deutsch und Mathematik vor

Bärbel Schubert

Die Kultusminister haben erstmals Entwürfe für nationale Bildungsstandards vorgelegt. Sie sollen für den Mittleren Schulabschluss nach der zehnten Klasse in den Fächern Deutsch sowie Mathematik gelten und beschreiben, über welche „Kompetenzen und grundlegenden Wissensbestände“ ein Schüler künftig verfügen muss.

Die nationalen Bildungsstandards verstehen die Kultusminister als Antwort auf das miserable deutsche Abschneiden beim internationalen Schultest Pisa. Die Leistungsanforderungen werden damit bundesweit einheitlich, verbindlicher und konkreter gefasst, um die Qualität der deutschen Schulbildung zu verbessern. Auch die mit Pisa deutlich gewordenen gravierenden Leistungsunterschiede zwischen den Bundesländern sollen mit den Standards geringer und die Schulabschlüsse auf diese Weise künftig vergleichbarer werden.

Entwürfe für Standards in weiteren Fächer für weitere Schulformen sollen nach Aussage der Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Hessens Schulministerin Karin Wolff (CDU), in den nächsten Monaten folgen. Sie will damit eine breite öffentliche Debatte anstoßen.

„Anforderungen steigern“

Die Vorlagen werden diese Woche erstmals im Schulausschuss der KMK diskutiert, kündigte Wolff an. Die Minister werden sich voraussichtlich im Oktober damit befassen. Gemessen an dem jetzt skizzierten Niveau, „müssen einige Länder ihre Anforderungen dann steigern“, so die KMK-Präsidentin. Anvisiert ist, dass die Standards im nächsten Jahr Einzug an den Schulen halten. Für das Fach Deutsch werden die Leistungserwartungen beispielsweise im Bereich „Sprechen und Zuhören“ so formuliert: Die Schüler können „sich artikulieren, verständlich, sach- und situationsangemessen äußern“, „verschiedene Formen mündlicher Darstellung unterscheiden und anwenden“ und „Wirkungen der Redeweise kennen und situations- sowie adressatengerecht anwenden“.

Texte sollen außerdem „in gut lesbarer Form und in einem der Situation entsprechenden Tempo“ verfasst werden. Sie müssen „dem Zweck entsprechend und adressatengerecht gestaltet sinnvoll“ aufgebaut und strukturiert sein. Verlangt wird auch, dass die Jugendlichen die „Grundregeln der Rechtschreibung beherrschen“. Beispielaufgaben werden diese Beschreibungen ergänzen.

Im Fach Mathematik sollen die Schüler beispielsweise „gedanklich mit Strecken, Flächen und Körpern“ operieren können (Leitidee Strukturieren) und „realitätsnahe Probleme im Zusammenhang mit linearen, proportionalen und antiproportionalen Zuordnungen“ lösen können.

Die Standards orientieren sich an dem Mindestniveau, das die Schüler erreichen müssen. „Die Anforderungen sind aber nach oben offen“, sagte Wolff. Wenn ein Bundesland zusätzliche Leistungen von seinen Schülern verlangen wolle, sei das ohne Probleme möglich.

Die Bewertung folgt drei Kompetenzstufen, wie sie aus dem Schultest Pisa bekannt sind. Die erste Stufe skizzierte das Mindestwissen, die zweite die Fähigkeit, neue Lösungen zu kreieren und die dritte die Fähigkeit, Sachverhalte begründet zu beurteilen. Die Entwürfe sollen nach Wolffs Worten für alle Interessierten bald im Internet veröffentlicht werden. Eine Anhörung von Eltern, Lehrern und Wissenschaftlern plant die KMK für den Herbst.

Die bisher entwickelten Beispielaufgaben sind allerdings intern höchst umstritten, wie zu erfahren ist. Da vorgebenen wird, für welches „Kompetenzniveau“, und in der Konsequenz für welche Note, welche Lösungen verlangt werden, liegt hier der Schlüssel, um vergleichbare Abschlüsse zu erreichen.

Anders als bisher angekündigt, ist zudem wieder strittig, ob die neuen Bildungsstandards die bisher üblichen Lehrpläne ersetzen oder nur ergänzen sollen. Diese Lehrpläne haben über Jahrzehnte teilweise einen Umfang von mehreren hundert Seiten angenommen und gelten bei den Lehrern als wenig hilfreich. In Schweden, das bei Pisa erfolgreich abgeschnitten hat, kommen die Schulen dagegen mit wenige Seiten umfassenden Leitlinien aus.

Regelmäßiger Bundesländervergleich

Regelmäßige Vergleichsarbeiten sollen dafür sorgen, dass die Standards künftig auch eingehalten werden. Dazu planen die Kultusminister sowohl Vergleiche sowohl zwischen als auch innerhalb der Bundesländer. Eine „wissenschaftliche Einrichtung“ soll damit betraut werden. Doch ob die Länder allein oder gemeinsam mit dem Bund für diese Agentur zuständig sein werden, ist weiter strittig.

Mehr dazu im Internet unter: www.kmk.org

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