Gesundheit : Das Neueste vom Neuesten

Lernen mit der Zeitung: Der Tagesspiegel in 40 Berliner Grundschulklassen

Dorothee Nolte/Silke Zorn

Wie ließe sich der Tagesspiegel verbessern? Für den achtjährigen Paul ist die Antwort klar: „weniger schwierige Wörter“. Aber auch wenn er vieles noch nicht richtig versteht, was da gedruckt vor ihm liegt, Spaß an der Zeitung haben er und seine Klassenkameraden von der Staatlichen Internationalen Schule doch. „Mein Lieblingsteil ist das Wetter“, ruft Lisa, die auch in ihr kleines „Zeitungstagebuch“ einiges zum Wetter geschrieben hat. Andere beantworten die Frage nach dem Lieblingsteil fast so, als wären sie zehn Jahre älter: „Mein Lieblingsteil ist Wissen & Forschen, weil da immer so viele interessante Artikel stehen.“

Die 3. Klasse der Staatlichen Internationalen Schule (SIS) in Wilmersdorf gehört zu den 40 Berliner Grundschulklassen, die zwei Wochen lang Klassensätze des Tagesspiegels erhalten haben. Ihre Lehrer bekamen dazu eine Broschüre der Stiftung Lesen mit Unterrichtstipps, die die Stiftung in Zusammenarbeit mit der Journalistenschule Ruhr entwickelt hat – speziell für Dritt- und Viertklässler, Kinder also, die normalerweise als zu jung für den Umgang mit Zeitungen betrachtet werden. Die Leseforscher halten dagegen: „Man kann gar nicht früh genug anfangen“, sagt Bodo Franzmann von der Stiftung Lesen. Wichtig ist bei den Acht- bis Zehnjährigen natürlich der kindgerechte Zugang: Basteln und Herumschnipseln gehört dazu. Gerade Tageszeitungen erscheinen Franzmann als geeignetes Medium zur Leseförderung – weil sie eine tägliche Lesegewohnheit etablieren.

Eveline Mützelburg, Lehrerin an der SIS, kann das bestätigen. Als Deutschlehrerin sieht sie den pädagogischen Effekt auch darin, dass die Kinder ihren Wortschatz erweitern und lernen, Oberbegriffe zu verwenden: Dieses Thema gehört in die Kultur, das andere ins Vermischte. Und, ganz wichtig: „Die Kinder nehmen die Zeitungen mit nach Hause und sprechen darüber mit ihren Eltern. Dadurch entsteht eine Brücke zwischen der Schule und dem Elternhaus.“

In der Klasse 3b der Heiligensee-Grundschule in Reinickendorf sind die kleinen Pulte übersät mit Artikeln und Fotos aus dem Tagesspiegel, sorgfältig ausgeschnitten und hier und da bunt markiert. Lehrerin Uta Hartmann-Wintzer hatte ihren Schülern in der letzten Stunde eine besondere Aufgabe gestellt. „Jedes Kind sollte sich einen spannenden Artikel heraussuchen, den es dann wie ein Nachrichtensprecher vorträgt.“ Gar nicht so einfach – aber bei den Jungen und Mädchen ist von Lampenfieber keine Spur. Fast jeder will auf dem Stuhl vor der Klasse Platz nehmen und seinen Mitschülern mit seriöser Miene das Neueste vom Neuesten verkünden. Für völlig unterschiedliche Themen haben sich die Kinder entschieden – vom digitalen Fernseh-Drachen, über die Heuschreckenplage auf den Kanaren bis hin zum recyclebaren Handy, das sich auf dem Komposthaufen in eine Blume verwandelt. Annika berichtet ausführlich und ganz ohne Spickzettel vom Jubiläum des Berliner Aquariums Aquadom. „Da war ich schon!“, „Ich auch!“ schallt es im Chor zurück aus der Klasse.

Brunhilde Focke, Lehrerin an der Kreuzberger Otto-Wels-Grundschule, hat mit ihrer Klasse eine Litfaßsäule gebastelt, auf die die interessantesten Artikel geklebt wurden. Die meisten ihrer Viertklässler sind nichtdeutscher Herkunft, aber die Sprachprobleme einiger Kinder minderten nicht die Begeisterung: „Die Schüler fanden das ganz toll.“ Besonders beliebt sei der Sport gewesen.

„Es war schön zu erleben, mit welch großer Freude sich die Kinder auf die Zeitungen stürzen“, berichtet auch Marlies Thimm, Lehrerin an der Bornholmer-Grundschule in Prenzlauer Berg. Jeden Morgen haben ihre Schüler sich interessante Artikel herausgesucht und beim Lesen unbekannte Wörter unterstrichen. Nur herausschneiden wollten sie die Texte anfangs nicht: „Was, ich soll meine eigene Zeitung zerschneiden?“

Mehr Informationen im Internet: www.zeuskids.de

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