Gesundheit : Das Norovirus greift um sich

Der Magen-Darm-Erreger hat Hochsaison

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Seit Anfang des Jahres hat es in Deutschland schon Tausende von Leuten attackiert: das Norovirus. Zwei Menschen starben, vielleicht sogar drei. Und das sei erst der Anfang, sagt Reinhard Kurth. Der Chef des Robert-Koch-Instituts in Berlin erwartet in diesem Winter einen neuen „Rekordstand an Norovirus-Infektionen“: Bis zu einer Million Menschen könnten sich bei uns noch in diesem Winter anstecken.

Das Norovirus. Unsichtbar, geruchlos, etwa 30 Millionstel Millimeter klein – gelangt dieser winzige Erreger in den Körper, beginnt er rasch eine Reise der Zerstörung.

Er begibt sich zum Darm, dringt in die dortigen Zellen und kopiert sich mit Hilfe der Zellmaschinerie. Während er sich vermehrt, schädigt oder vernichtet das Virus die Darmzellen, die Folge: Die Verdauung versagt, es kommt zum Durchfall. Dadurch – wie auch durch das Erbrechen – wird der Eindringling schnell wieder aus dem Körper gespült.

Nach zwei, drei Tagen ist der Spuk vorüber. Ein Gegenmittel gibt es nicht. Das Wichtigste, worauf man achten sollte, ist: viel trinken, selbst wenn einem übel ist. Der Wasserverlust stellt die einzige wirkliche Gefahr dar, vor allem für kleine Kinder und Ältere. Alle 19 Menschen, die voriges Jahr in Deutschland an der Infektion gestorben sind, waren über 70.

Gegen das Norovirus hilft nur Prävention. Die Ansteckung verläuft in erster Linie über den fäkal-oralen Weg. Nach einem Bericht der „Centers for Disease Control and Prevention“ in den USA gehen dabei die meisten Ausbrüche von Restaurants aus. Ein Koch oder jeder, der mit Essen in Kontakt kommt und nach dem Toilettengang die Hände nicht gewaschen hat, kann den Erreger in Windeseile verbreiten. Man sollte also vor allem bei Nahrung aufpassen, die per Hand zubereitet und nicht gekocht wird, wie Salate oder Sandwiches. Achtung auch bei Austern und Muscheln: Sie scheinen die Viren nachgerade zu bunkern und sind deshalb mit besonderer Vorsicht zu genießen.

Ansonsten gilt für das Norovirus dasselbe wie für Schnupfenviren: Wo immer viele Menschen auf kleinem Raum zusammenkommen, sind die Ausbreitungsbedingungen günstig. Also Krankenhäuser, Pflegeheime, Schulen – und Kreuzfahrtschiffe. So hatte sich nahezu jeder fünfte Passagier der „Queen Elisabeth 2“ auf der Fahrt, die Anfang Januar in New York begann, mit Noroviren angesteckt. Im Dezember waren in der Karibik an Bord des größten Kreuzfahrtschiffs der Welt (die „Freedom of the Seas“) mehr als 380 Fahrgäste an dem Virus erkrankt.

Warum es in manchen Jahren schlimmer kommt als in anderen, hängt mit der Virusvariante zusammen. Neue Varianten erwischen unser Immunsystem kalt, und es kommt zu einem starken Ausbruch. Genetisch besteht der Erreger aus einem Strang von RNS (Ribonukleinsäure), der sich dauernd verändert. Die Folge: Das Norovirus wechselt ständig die Gestalt, was dazu führt, dass eine Infektion nicht immun macht und auch eine Impfung nicht möglich ist.

Vorsicht also bei kalten Speisen. Obst und Gemüse abspülen. Nach dem Toilettengang Hände waschen. Und wen es doch erwischt, der sollte kein schlechtes Gewissen haben, ein paar Tage zu Hause zu bleiben und sich zu erholen. bas

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