Gesundheit : Das Rätsel beschwipster Elefanten Berauschen die Tiere

sich an Baumrinde?

Frank Ufen

Elefanten, die derart beschwipst sind, dass sie orientierungslos durch die Gegend torkeln, sind in Afrika kein seltener Anblick. Angeblich werden sie dadurch betrunken, dass sie zu viele vergorene Früchte des Marula-Baums verspeisen. Diese Erklärung klingt schlüssig, aber sie ist falsch. Zu diesem Ergebnis sind kürzlich die britischen Biologen Steve Morris, David Humphreys und Dan Reynolds gelangt. Ihr Forschungsbericht ist im Fachblatt „Physiological and Biochemical Zoology“ erschienen.

Dass Elefanten alles andere als Alkohol-Verächter sind, bezweifeln die Wissenschaftler nicht. Die zahllosen Berichte von Dickhäutern, die sich über Bier- oder Weinvorräte hergemacht hätten, seien nicht pure Erfindungen. Unstrittig ist auch, dass die Elefanten die Angewohnheit haben, sich in der Nähe von Marula-Bäumen zu sammeln, sobald die Früchte genießbar sind.

Doch die Sache hat gleich mehrere Haken. Wenn die Elefanten die Wahl haben, greifen sie nämlich lieber zu den Früchten, die noch am Baum hängen. Außerdem haben die überreifen Früchte nur einen Alkoholgehalt von höchstens drei Prozent. Dass ein drei Tonnen schweres Tier davon betrunken werden könnte, ist nach den Berechnungen von Morris, Humphrey und Reynolds nahezu unmöglich. Denn um auch nur einen leichten Rausch davonzutragen, müssten die Elefanten eine gigantische Früchte-Portion vertilgen, die dem Vierfachen ihrer normalen Nahrungsmenge entsprechen würde. Doch die Wissenschaftler haben eine alternative Erklärung gefunden. Die Elefanten mampfen noch etwas anderes: die Rinde des Marula-Baums. In ihr leben Käferlarven, die ein betäubendes Gift produzieren. Wie wirksam dieses Gift ist, haben die Buschmänner schon früh entdeckt. Seit Generationen präparieren sie damit ihre Jagdpfeile.

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