Gesundheit : Das Risiko wird noch immer unterschätzt

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Die Bedeutung einer versteckten Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) bei Schwangeren wird noch immer unterschätzt. Das sagte Wolfram Dudenhausen vom Virchow-Klinikum aus Anlass der Eröffnung des Deutschen Kongresses für Perinatale Medizin im ICC am Donnerstag. Fünf Prozent aller Schwangeren hätten Zeichen einer Zuckerkrankheit, aber nur bei 0,3 Prozent würde sie tatsächlich festgestellt. Beim Diabetes mellitus können Kohlehydrate vom Stoffwechsel nicht ausreichend abgebaut werden, so dass sich Traubenzucker (Glucose) im Blut anreichert. Ursache ist ein Mangel des blutzuckersenkenden Hormons Insulin.

Als Folge eines Schwangerendiabetes sei das Sterberisiko des Ungeborenen erhöht, es komme zu schwer zur Welt, könne bei der Geburt eine Unreife der Lungen haben und selbst zur Unterzuckerung neigen. Dudenhausen forderte deshalb die Diabetes-Suche bei allen Frauen in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche und nicht nur in Risikogruppen (Schwangere jenseits der 30, Diabetes in der Familie, Zucker im Urin, vorhergegangene Geburt eines übergewichtigen Kindes). Mit Diät, Bewegung und Insulin lasse sich Schwangerendiabetes gut behandeln, und nicht selten normalisiere sich der Stoffwechsel nach der Niederkunft wieder.

Als Erfolg wertete der Kongresspräsident Wolfgang Holzgreve (Basel), dass um die Geburt herum nur noch fünf von 1000 Kindern sterben würden. Damit gehöre Deutschland zu den erfolgreichsten Ländern bei der Bekämpfung der Neugeborenen-Sterblichkeit. Nicht verbessert werden konnte dagegen in den letzten zehn Jahren die noch immer bei sieben Prozent liegende Rate der Frühgeburten.

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