Gesundheit : Das Sahnehäubchen auf der Bewerbung

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Von Anja Kühne

Was unter den Waschmitteln die „Megapearls" darstellen, sind unter den Studiengängen die internationalen Doppeldiplome: Sie locken die Kundschaft, nämlich die Studenten, mit ihrer besonders großen Kraft, die gleichwohl in eine schlanke Packung passt. Denn die Absolventen bekommen für nur ein Studium gleich zwei Urkunden überreicht. Eine bestätigt ihnen, das Examen an der Uni zu Hause bestanden zu haben, die andere beweist, dass sie zugleich einen vollwertigen Studienabschluss an einer Uni im Ausland haben.

Ein Studium für Avantgardisten

Bisher sind es nur Avantgardisten, die so studieren", sagt Ulrich Grothus vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD). Wie viele es sind, kann zur Zeit niemand so genau sagen. Nur für die deutsch-französischen Kooperationen, die es schon seit 1988 gibt, weiß man mehr: In den rund 100 dieser binationalen Studiengänge sind etwa 3000 Studenten eingeschrieben. Daneben sind in den letzten drei Jahren etwa 100 weitere Studiengänge in Deutschland entstanden, die zu binationalen Doppeldiplomen führen.

So können Studenten der Fachhochschule für Wirtschaft in Berlin einen Teil ihrer Ausbildung an der Bristol Business School in England absolvieren, die Soziologen der Katholischen Universität Eichstätt bekommen zugleich ein italienisches Diplom, die Wismarer Wirtschaftsinformatiker ein polnisches. Das Ziel: „Die Studenten sollen sich später auf zwei Arbeitsmärkten bewegen können, als wären sie dort zu Hause", sagt Grothus.

Dazu müssen die Studenten mindestens ein Jahr an der Partneruni im Ausland studiert haben (bei ein- bis eineinhalbjährigen Aufbaustudiengängen nur ein halbes), gemäß manchen Studienordnungen aber auch zwei Jahre. An manchen Hochschulen verlangt man, dass die Studenten Abschlussarbeiten in der Fremdsprache an der Partnerhochschule verfassen und wichtige Praktika in Betrieben im Ausland absolvieren.

Schneller fertig werden

„Das führt dazu, dass diese Studenten schneller fertig werden, denn sie sind stärker in ein Korsett eingebunden", sagt Karl Josef Groneuer von der Fachhochschule Münster, die mit den Niederlanden im Fach Ernährung und Diätetik kooperiert.

Studenten, die sich diesem Stress aussetzen, wollten ihrer Karriere mit dem Doppeldiplom „einen draufsetzen", um sich später aus den Bewerbermassen positiv herauszuheben. Denn das Diplom des anderen Landes signalisiert, dass sie sich nicht nur zu Studienzwecken im Ausland aufgehalten haben, wie zur Zeit etwa 13 Prozent der deutschen Studenten. Es beweist darüber hinaus, dass sie den Studienanteil im Ausland genauso ernst wie den zu Hause genommen haben. Und im Idealfall, dass sie die besten Merkmale des heimischen Studiengangs mit den besten der ausländischen Partnerhochschule kombiniert haben, etwa das „verkopfte" deutsche Studium mit dem praktischen Zugriff der Niederländer verbinden.

Die Veranstalter der Programme gehen davon aus, dass viele Arbeitgeber die kulturellen und sprachlichen Kompetenzen der zweifach Diplomierten zu schätzen wissen, wie Ulrich Grothus vom DAAD sagt: „Ein großer Teil der Absolventen der deutsch-französischen Studiengänge arbeitet in Bereichen, die von der Ausbildung profitieren."

Mehr zum Thema im Internet:

www.daad.de (der DAAD ist auch die Anlaufstelle für Hochschulen, die ein Doppeldiplom mit Partner in der EU vom Bundesbildungsministerium fördern lassen wollen). Die Hochschulrektorenkonferenz plant, demnächst in ihrem „Hochschulkompass" im Internet den Studenten eine vollständige Liste der Studiengänge mit Doppeldiplom anzubieten: www.hrk.de

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