Gesundheit : Das schlaue Schiff

Die Schau „Sport und Informatik“ startet in Berlin

Simon Wolf

Im Kreisliga Modus war es noch ein ausgeglichenes Spiel gegen den Tischfußball-Roboter „Star Kick“. Auf Weltpokalniveau stand es aber schon nach drei Minuten 0:3. Dabei kann „Star Kick“ nur reagieren und immer geradeaus schießen. Dafür ist er unheimlich schnell.

Thilo Weigel hat den Kicker-Automaten am Lehrstuhl für künstliche Intelligenz der Uni Freiburg entwickelt. Eine Infrarotkamera filmt das Spielfeld von unten. Weil die Platte leicht transparent ist und von 300 kleinen Infrarot-Leuchten angestrahlt wird, kann die Kamera die Bewegungen des Balles wahrnehmen. Ein Computer wertet die Bilder 50 Mal pro Sekunde aus. So weiß er immer, wo der Ball liegt und kann seine Figuren entsprechend bewegen. Eine schnelle Täuschung mit dem Mittelstürmer bringt also überhaupt nichts: Der Computer konzentriert sich nur auf den Ball, die Abwehrspieler bleiben seelenruhig stehen, bis sich auch die Kugel bewegt.

Der vollautomatische Kickertisch ist Teil der Ausstellung „Sport und Informatik“, die im Informatikjahr 2006 auf der MS Wissenschaft quer durch Deutschland unterwegs ist. In 34 Städten an Elbe und Rhein, Donau, Main und Mosel legt das Schiff an. In Berlin ist die Ausstellung am Schiffbauerdamm bis Montag zu sehen, täglich von 10 bis 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Es wird gezeigt, wie per Computer Geräte verbessert oder Sportler beim Training unterstützt werden können. Auf einer Kraftmessplatte lässt sich die Sprungkraft überprüfen, am Ruder-Ergometer die Ausdauer testen.

Wer will, kann herausfinden, warum früher im Sportunterricht der Speer nie weiter als ein paar Meter geflogen ist. Forscher vom Fraunhofer Institut in Magdeburg haben einen Chip in einen Speer eingebaut, der die Beschleunigungsleistung beim Abwurf misst und in einem Diagramm darstellt. Bei Spitzensportlern sieht die Kurve kraftvoll und steil aus. Im Selbstversuch gleicht das Diagramm eher einer Schlangenlinie, der Speer wäre mal wieder nicht weit gekommen.

Wie aktuell das Thema Sport und Informatik ist, zeigt auch die Vorbereitung der deutschen Mannschaft auf die Fußballweltmeisterschaft. Während des Trainings wird der Puls der Spieler ständig gemessen und an einen Computer gesendet. Ein Fitnesstrainer fragt die Werte auf dem Laptop ab und entscheidet, welcher Spieler zulegen muss.

Unter so viel Leistungsdruck stehen die Besucher der MS Wissenschaft nicht. Sie können bequem die entscheidenden Bälle im Elfmeterschießen halten. Vor einem Bildschirm sitzend lässt sich beobachten, wie der Spieler anläuft: Die Arme schwingen, der Kopf dreht sich, das rechte Bein holt kraftvoll aus – dann wird der Bildschirm schwarz.

Geht der Schuss nach rechts oder nach links, das ist jetzt die Frage. Wer sechs oder sieben von acht virtuellen Elfmeter hält, kann eine schwierigere Stufe wählen und vom Computer das Schussbein wegretuschieren lassen – so kann man lernen, sich ganz auf den Körper zu konzentrieren und aus dessen Bewegung die Richtung des Schusses zu antizipieren.

Zum Abschluss steht noch ein letzter Besuch am Kickerautomaten an. 11:7 hat jemand gegen den Computer gewonnen, verrät die Bestenliste, und das im Weltpokalmodus. „Einen Trick gibt es doch“, grinst Daniel Wagner, der Besuchern die Ausstellung erklärt. „Man muss einfach mehrere Bälle einwerfen, dann weiß der Computer nicht mehr, auf welchen er sich konzentrieren soll.“

Weitere Informationen unter www.ms-wissenschaft.de

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