Gesundheit : Das Semester beginnt: Der Stipendienkönig

Alexander von Schmidt

Wie finanziere ich mein Studium? Ein wissendes Lächeln geht bei dieser Frage über das Gesicht von Paul Mehnert. Er ist der - ungekrönte - Stipendienkönig. Fast sein ganzes Studium hat er mit einem halben Dutzend Stipendien finanziert. Den Initialfunken gab die neue Bundesregierung 1983, als sie das BafoeG reformierte. Die staatliche Unterstützung sollte nun komplett zurückgezahlt werden: ein zinsloses Darlehen. "Für mich hätte das 50 000 Mark Schulden bedeutet", sagt Mehnert.

Der Bruder von sechs Geschwistern wollte sich damit nicht abfinden. Er hörte von der Friedrich-Ebert-Stiftung. Gute Noten und Engagement im AStA bescherten dem Studenten der Politikwissenschaft und Alten Geschichte drei Jahre ohne Geldnot. Als sich seine Magisterarbeit etwas hinzog, drohten Mehnert erneut finanzielle Engpässe. In dieser Situation sprang ihm die Universität Mainz mit 600 Mark monatlich zur Seite, mit einem Examensabschluss-Stipendium. Dazu gelang es ihm, ein zinsloses Darlehen der "Notgemeinschaft Studiendank" in Höhe von 3000 Mark zu ergattern. Um sich auf sein nächstes Ziel nach dem Magister, die Promotion, vorbereiten zu können, bekam er einen monatlichen Zuschuss von 600 Mark für ein halbes Jahr: gestiftet vom Sozialreferat des AStA der Uni Mainz.

"Du lernst mit der Zeit, worauf es bei den Vorstellungsgesprächen mit dem Stipendiengeber ankommt." Zunächst sollte man einen intensiven Kontakt mit dem Professor pflegen, der für die Stiftung ein Gutachten abgibt. Das Projektpapier muss ausführlich, der Zeitplan detailliert sein. Je mehr Stipendien man bereits hatte, desto größer die Chancen auf weitere. In dieser Hinsicht gut vorbereitet, erhielt Mehnert auch das rheinland-pfälzische Graduierten-Stipendium zugesprochen, monatlich 1400 Mark.

Bis zu diesem Zeitpunkt beliefen sich das erhaltene Geld schon auf gut 100 000 Mark. Die Doktorarbeit von Paul Mehnert befasste sich mit der politischen Integration Lateinamerikas. Aus diesem Grunde entschloss sich der junge Forscher zu einem Aufenthalt in Argentinien, Paraguay und Chile. Der Deutsche Akademische Austauschdienst unterstützte ihn mit 15 000 Mark für sieben Monate im Ausland. Von einer Habilitation sah Mehnert dann schließlich ab. Die schlechten Aussichten auf eine akademische Laufbahn ließen ihn in die freie Wirtschaft streben. "Mit Geld kannte ich mich inzwischen schließlich aus."

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