Gesundheit : Das Semester beginnt: Wer ist mein Sitznachbar?

Nicole Doerr

Bewaffnet mit einem Stadtplan steigen zwei junge Leute aus einem lilafarbenen Auto. Unsicher und fragend richtet sich der Blick auf das blaue Uni-Schild an der alten Villa. Ob hier wohl die Studienberatung sei, fragt Uli aus Würzburg. Auf dem Beifahrersitz lächelt die 22-jährige Alex durch ihre Nickelbrille. "Raus aus der kleinkarierten, muffigen Studentenstadt," wollen beide. Berlin muss es sein, wie bei vielen Studienanfängern.

"Es gibt wohl keine andere deutsche Großstadt mit so vielen auswärtigen Studenten, und das schon seit den siebziger Jahren", weiß der Leiter der FU-Studienberatung Hans-Werner Rückert aus seiner Erfahrung. In der Tat: Nur gut die Hälfte der Berliner Studenten sind "Landeskinder". Das ist wenig im Vergleich zu anderen Großstadt-Unis. In den Hörsälen von Münchens Ludwig-Maximilian-Universität ist nur jeder fünfte ein Nichtbayer.

Berlins anhaltende Sogwirkung auf Auswärtsstudenten begründet der Psychologe Rückert anders als manche Professoren nicht allein mit der Qualität der Lehre: "Wer hier her kommt, den zieht die offene Großstadt an. Volle Hörsäle und das Abschneiden der Universitäten auf Hochschul-Ranking-Listen sind solchen Studierenden egal."

Mit 44 000 und 34 000 Immatrikulierten sind Freie Universität (FU) und Humboldt-Universität (HU) die größten Hochschulen in Berlin. Eine Ost-West-Schere trennt die Uni-Kolosse auch ein Jahrzehnt nach der Einheit. Die FU ist die "Westler-Uni" mit 60 Prozent Studenten aus den alten Bundesländern, die HU dagegen zieht entsprechend viele aus dem Osten an.

Trotz multikultureller Atmosphäre in einzelnen Bezirken locken Berliner Universitäten nicht überdurchschnittlich viele ausländische Studenten an die Spree. Studienberater Hans-Werner Rückert weiß, warum: "Die wissenschaftliche Avantgarde sitzt zumeist in den USA oder Großbritannien. An deutschen Unis reizen einzig die niedrigen Studiengebühren." Mit ungefähr zehn Prozent ausländischen Studierenden liegt die FU im deutschen Durchschnitt. Etwas besser schneidet die Berliner Hochschule der Künste mit 16 Prozent Ausländern ab. Am stärksten vertreten sind dort die Südkoreaner mit 89 Studenten, gefolgt von 54 Japanern und 42 aus der Russischen Föderation. Die meisten Ausländer studieren nach der Statistik von Susanne Hagen vom Immatrikulationsbüro musische Fächer: "In der Musik ist die deutsche Sprache ja auch kaum ein Hindernis."

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