Gesundheit : Das Stigma, seelisch krank zu sein

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Als die Caritas ein Heim für chronisch psychisch Kranke in einem Ort mit 1650 Einwohnern eröffnen wollte, erhielt sie eine Protestliste mit 1700 Unterschriften. Die Begründungen reichten von „Wertminderung der Liegenschaften“ bis „Kindermörder“. Mit dieser Geschichte illustrierte auf dem PsychiatrieKongress in Berlin Wulf Rössler, Direktor der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, die Stigmatisierung psychisch Kranker, vor allem jener, die an Schizophrenie leiden.

Vorurteile hindern daran, frühzeitig zum Arzt zu gehen. Stigmatisierung und Diskriminierung stellen dann auch noch die Therapie in Frage, weil sie die Wiedereingliederung in die Gesellschaft behindern, sagte Wolfgang Goebel. Der Ärztliche Direktor der Uniklinik Düsseldorf ist Vereinssprecher von „Open the Doors“.

Unter diesem Motto hat die Welt-Psychiatrie-Gesellschaft 1996 ein „AntiStigma-Programm“ ins Leben gerufen. Das Programm wird von Forschern begleitet. Die Erfahrungen zeigen, dass auch die Emotionen angesprochen werden müssen, soll sich das Verhalten gegenüber den Kranken ändern. In Österreich, so berichtete Werner Schöny, Ärztlicher Direktor der Landesnervenklinik Wagner-Jauregg in Linz, ermittelte man in einer Studie zunächst den Wissensstand der Bevölkerung zur Schizophrenie. So hielten 55 Prozent die Kranken für besonders gefährlich, und 37 Prozent glaubten, Schizophrenie sei nicht behandelbar – zwei Irrtümer, die sogar Ärzten unterliefen, obwohl man weiß, dass die Schizophrenie ein geringes Risiko für gewalttätiges Verhalten mit sich bringt und recht gut behandelbar ist.

Die Pauschalurteile der Bevölkerung aber „behandelt“ man laut Schöny am erfolgreichsten im Gespräch. Angehörige arbeiten schon lange am Abbau der Stigmatisierung. Ihre Selbsthilfegruppen haben sich 1985 zum „Bundesverband der Angehörigen psychisch Kranker e. V.“ zusammengeschlossen.

Weiter Informationen: Verein Open the Doors, im Internet: www.openthedoors.de , Landesverband Berlin der Angehörigen psychisch Kranker, Telefon: 8639 5701, im Internet: www.ang-psych-kr.de

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