Gesundheit : Das Wirtschaftswachstum hängt von der Bildung ab

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Deutschland muss sein Bildungssystem umfassend reformieren, mehr Wettbewerb zulassen und Studiengebühren erheben. Das hat der amerikanische Ökonom Gary S. Becker, Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften, im Gespräch mit dem Tagesspiegel gefordert. „Ob ein Land erfolgreich wirtschaftet oder nicht, hängt immer stärker von der Bildung seiner Bürger ab." Die Misere des deutschen Schul- und Universitätssystems sei mit verantwortlich für das schwache Wachstum. Eine effizientere Ausbildung helfe auch, die Unterschiede zwischen Arm und Reich zu reduzieren.

Auf die Kreativität kommt es an

„In diesem Jahrhundert wird vor allem das Humankapital darüber entscheiden, welche Volkswirtschaft langfristig erfolgreich sein wird und welche nicht", prognostiziert Becker, der 1992 den Nobelpreis für die Erklärung menschlichen Verhaltens mittels ökonomischer Theorien gewonnen hatte. Kreativität und Einfallsreichtum der Menschen machten mittlerweile sieben von zehn Euro in der Wertschöpfungskette aus, diese Zahl werde weiter anstiegen. Deshalb sei die Aus- und Weiterbildung von Arbeitskräften entscheidend für das Wachstum und für die Einkommen jedes einzelnen Arbeitnehmers. Bereits heute seien die mangelhaften Fähigkeiten vieler Menschen in Deutschland die Ursache für die Massenarbeitslosigkeit. Solange Deutschland seinen Arbeitskräftebedarf selbst nicht decken könne, müsse es die Zuwanderung von qualifizierten Kräften fördern. „Ausländische Beschäftigte sind eine Belebung und machen ein Land robuster, innovativer und flexibler“, meint der Wissenschaftler.

Allerdings garantierten gut ausgebildete Arbeitskräfte allein noch kein Leben in Wachstum und Wohlstand. „Die Märkte für Arbeit und Güter müssen hinreichend flexibel sein und für Unternehmensgründer Anreize bieten", empfiehlt Becker. Dies sei in Deutschland derzeit noch nicht der Fall, zu viele Gesetze und Regulierungen behinderten die innovativen Unternehmen.

Damit die Leute besser gebildet würden und die Wirtschaft stärker wachse, sei ein Umbau des Bildungssystems unumgänglich. Nötig sei mehr Wettbewerb zwischen privaten und öffentlichen Hochschulen. Dazu gehöre die Abschaffung vieler Regulierungen und die Erhebung von Studiengebühren.

Bildung soll nicht umsonst sein

Unsozial gegenüber unteren Einkommensschichten sei das nicht. „Bildung kostenlos anzubieten ist viel unsozialer", findet Becker. „Die Durchschnittsverdiener helfen den Studenten mit ihren Steuern damit, später zum Besserverdiener aufzusteigen - ohne je etwas dafür zu bekommen", moniert der Wissenschaftler. Die Bundesregierung und die übrigen Parteien mit Ausnahme der Union lehnen Studiengebühren bislang ab. Diese Haltung nennt Becker paradox. „Alles im Leben hat einen Preis - nur Bildung soll umsonst sein. Das passt nicht zusammen."

Vorbildlich ist für den Wissenschaftler das amerikanische Bildungssystem. Dank seiner Vielfalt biete es für nahezu jeden Anspruch und jede Begabung den passenden Ausbildungsweg. Die Einführung von Studiengebühren beseitige zugleich die Ungleichbehandlung von privaten und öffentlichen Hochschulen. brö

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