Gesundheit : Das wollen wir hören

Wir suchen Geschichten – und Menschen, die sie gut vortragen. Und dann wird gefeiert

Dorothee Nolte

ERZÄHL MIR WAS – DER WETTBEWERB IM TAGESSPIEGEL

Romantisch war’s im Beduinenzelt. Spannend wurde es zwischen den afrikanischen Masken. Und drangvolle Enge herrschte vor den ostasiatischen Vasen, an jenem Tag im vergangenen September, als sich die Museen Dahlem in Erzählbühnen verwandelten. 30 Sieger des Tagesspiegel-Wettbewerbs erzählten in den Ausstellungsräumen Geschichten von Fremdheit – und insgesamt 500 Besucher kamen, um sie zu hören.

Auch in diesem Jahr veranstaltet der Tagesspiegel zusammen mit mehreren Partnern (siehe Kasten) einen Erzählwettbewerb. Wir suchen selbst erlebte oder erfundene Geschichten – und Menschen, die sie gut vortragen. Unsere Themen lauten diesmal: „Erwischt!“, „Entdeckt“ und „Gerettet“. Um die spannendsten, schönsten, berührendsten Geschichten und die besten Erzähler auszuwählen, brauchen wir (bisher unveröffentlichte) Tonaufnahmen und Texte.

Ein Problem ist uns dabei bewusst: Nicht jeder, der gut schreibt, trägt auch gut vor; und mancher, der wunderbar frei erzählen kann, mag nicht schreiben oder leiert beim Vorlesen. Entscheidend für die Jury wird zunächst die Qualität der Geschichte sein – hat jemand überhaupt etwas zu erzählen, wird Spannung aufgebaut, folgt man der Geschichte gerne bis zum Ende? Das zweitwichtigste Kriterium ist der Höreindruck: Ist die Geschichte gut vorgetragen? Ob sie frei erzählt oder lebendig vorgelesen wird, ist egal. Der Text muss nicht wörtlich mit dem Gesprochenen übereinstimmen, es kann eine Zusammenfassung der Geschichte sein.

Im vergangenen Jahr haben uns 300 Leserinnen und Leser Kassetten und Texte zum Thema „In der Fremde“, „Fremd in Berlin“ und „Fremdgehen beim Essen“ geschickt. Die jüngsten Erzähler waren gerademal zehn Jahre alt, die ältesten um die 80. Genau diese Mischung der Generationen hat uns gut gefallen und passt auch zum Thema Erzählen – denn wie soll man die Welt seiner Großeltern oder die Träume seiner Enkel verstehen, wenn man sich keine Geschichten erzählt?

Auch in diesem Jahr sind daher alle Altersgruppen eingeladen, sich zu beteiligen. Damit auch Schüler zur Teilnahme motiviert werden, bieten wir zusammen mit der Katrin Rohnstock Erzählakademie und dem Berliner Landesinstitut für Schule und Medien in der kommenden Woche ein Fortbildungsseminar „Spannend erzählen“ für Lehrer an. Sie und andere interessierte Lehrer werden dann ihre Schüler auf den Wettbewerb vorbereiten, denn Erzählen kann auch ein Thema im Unterricht sein (siehe Tagesspiegel vom 20. März).

Und noch etwas soll in diesem Jahr anders sein: Dank der großzügigen Unterstützung durch die Gemeinnützige Hertie-Stiftung können wir besondere Preise und Seminare für Schüler anbieten – und eine zweitägige „Erzählwerkstatt“ im Museum Europäischer Kulturen (siehe Kasten unten). Mit dabei ist diesmal auch DeutschlandRadio Berlin und unterstützt uns mit Preisen.

Das große öffentliche Erzählfest im Ethnologischen Museum Dahlem wird am 21. September stattfinden. Wieder werden Erzähler in den Ausstellungsräumen vortragen, und abends gibt es ein rauschendes Finale, bei dem die Hauptpreisträger ermittelt werden. Die Preise reichen vom eßkultur-Fest im Beduinenzelt über eine Reise durch das Leben bis hin zur High-Tech-Tafel SMART Board (siehe unten). Und wer mehr übers Erzählen wissen will – wie man Geschichten findet, aufbaut, vorträgt – , der braucht nur in den kommenden Monaten regelmäßig Tagesspiegel zu lesen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar