Gesundheit : „Das Zentrum ist ein Bauernopfer“ Gegen die Schließung: Charité-Arzt Foerster

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Vor sechs Jahren haben Sie am HahnMeitner-Institut mit der Protonenstrahltherapie begonnen. Was sind Ihre Erfahrungen?

Wir haben etwa 500 Patienten mit zum Teil komplizierten und sehr großen Augentumoren behandelt. Wo früher das Auge entfernt werden musste, können wir heute das Organ erhalten. Vor allem bei Kindern gibt es große Fortschritte.

Wie hoch sind die Erfolgsraten?

Man kann in bis zu 98 Prozent der Fälle Tumorkontrolle erreichen.

Was bedeutet die Schließung des Behandlungszentrums durch die Helmholtz-Gemeinschaft für Ihre Therapie?

Das Zyklotron am Hahn-Meitner-Institut, das zu 90 Prozent vom Bund und zu 10 Prozent vom Land Berlin finanziert wird, ist offenbar eine Art Bauernopfer, das für die Neuordnung der Großforschungseinrichtungen gebracht wurde. Für mich ist nicht nachvollziehbar, dass diese einzigartige Anlage, an der neben der Berliner Universitätsmedizin fünf deutsche Universitäten forschen, für unwichtig gehalten wird.

Was heißt das für die Patienten?

Wenn wir die Berliner Anlage schließen, müssen sie zur Behandlung in andere Länder – zu unvertretbar hohen Kosten.

Aber in München entsteht doch eine Klinik, die sich auf die Therapie spezialisiert.

Das ist erstmal keine Ausweichmöglichkeit, weil man zunächst die Expertise des Behandlungsteams aus Ärzten und Physikern entwickeln muss. Über kurz oder lang werden die Berliner Experten vermutlich nach München abwandern.

Auch die Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt und das Deutsche Krebsforschungszentrum in Heidelberg wollen nun experimentieren.

Die Strahlen, die in Darmstadt erzeugt werden, müssen heruntergebremst werden, damit sie für die Augenheilkunde benutzbar sind. Das ist keine Alternative.

Wie lange wird denn Ihr Zentrum noch geöffnet sein?

Wir haben die Kündigung zum 31. Dezember 2006 bekommen. Vor kurzem aber teilte man uns mit, dass der Betrieb vorsorglich schon zum 31. Dezember 2005 gekündigt wird. Das ist besonders perfide, denn dadurch werden sich alle betroffenen Physiker und Ärzte schon jetzt nach einer neuen Stelle umsehen.

Das Gespräch führte Hartmut Wewetzer.

Michael Foerster ist Direktor der Charité-Augenklinik, Campus Benjamin Franklin. Der Krebsspezialist führte die Protonenbehandlung von Augentumoren in Deutschland ein.

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