Gesundheit : Daumendrücken für die „Discovery“

Der deutsche Astronaut Thomas Reiter soll sieben Monate im Weltall bleiben

Paul Janositz

Wenn das Wetter keinen Strich durch die Rechnung macht, wird es am Samstag um 21.49 Uhr mitteleuropäischer Zeit so weit sein. Dann startet „Discovery“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ins All. Die Raumfähre wird von einem 47 Meter hohen Außentank und zwei Feststoffraketen, den „Boostern“, flankiert, die den nötigen Schub geben.

Die Booster lösen sich zwei Minuten nach dem Start und segeln an Fallschirmen in den Atlantik. Der Außentank erfüllt den mit rund 300 000 Litern pro Minute riesigen Treibstoffbedarf der Fähre in der Startphase. Nach etwa acht Minuten ist der Tank leer, wird abgeworfen und verglüht in der Atmosphäre.

Die Szene ist auch deshalb aufregend, weil die letzten Shuttle-Starts riskant waren. Teile des Hitzeschutzschildes waren abgebrochen und hatten die Außenhaut beschädigt. Die Fähre „Columbia“ war am 1. Februar 2003 beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre explodiert, die siebenköpfige Besatzung kam ums Leben. „Discovery“ konnte dagegen im Juli 2005 glücklich zur Erde zurückkehren.

Die Herzen der deutschen Zuschauer werden auch deshalb höher schlagen, weil zur siebenköpfigen Besatzung – darunter zwei Frauen – auch ein Landsmann gehört. Thomas Reiter soll als erster Deutscher die internationale Raumstation ISS beziehen. Dort sind bereits der russische Kommandant Pawel Winogradow und der amerikanische Flugingenieur Jeffrey Williams an Bord. Reiter, Jetpilot der Bundeswehr, hat Erfahrung mit langen Aufenthalten in der Schwerelosigkeit, schließlich verbrachte der heute 48-jährige gebürtige Frankfurter bereits Mitte der 90er Jahre 179 Tage auf der russischen Raumstation Mir.

Der Aufenthalt auf der ISS soll nun sechs bis sieben Monate dauern. Reiter ist als zweiter Bordingenieur für Wartungs- und Reparaturarbeiten zuständig. Außerdem soll der promovierte Physiker Ausflüge ins All unternehmen und wissenschaftliche Experimente durchführen. Insgesamt transportiert die „Discovery“ 2295 Kilogramm Nachschub. Zur Ladung gehören mehrere Hightech-Experimentiergeräte, mit denen die europäische Weltraumagentur Esa ein wissenschaftliches Programm ermöglichen will.

Das soll auch den Betrieb des europäischen Weltraumlabors Columbus vorbereiten, das nächstes Jahr an die ISS ankoppeln soll. So sollen die Astronauten Experimente zur Lungenfunktion sowie zur Pflanzenzucht in der Schwerelosigkeit durchführen. Ein Beitrag des Charité-Professors Andrew Clarke beschäftigt sich mit dem Sehen in der Schwerelosigkeit.

Insgesamt wird die Raumfähre neun bis zehn Tage an die ISS angedockt bleiben, bevor sie innerhalb von zwei Tagen nach Cape Canaveral zurückfliegt. Langzeit-Astronaut Reiter soll später mit dem nächsten Shuttle-Flug oder einer russischen Sojuskapsel zur Erde zurückkehren. Sollte die „Discovery“ beim Start beschädigt werden, müssten sich alle neun Astronauten 81 Tage lang an Bord der ISS drängeln. So viel Zeit braucht die Nasa, um die nächste Raumfähre für eine Rettungsmission startklar zu machen.

Sollte am Sonnabend das Wetter nicht mitspielen, wäre noch bis zum 19. Juli Zeit für den „Discovery“-Start. Andernfalls ist ein Abflug wieder ab dem 28. August für zweieinhalb Wochen möglich.

Über den „Discovery“-Start berichtet der Sender Phoenix live sowie ausführlich über Reiters Aufenthalt auf der ISS.

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