Gesundheit : Defizite bei Bachelor und Master

Experten: Studiengänge oft schlecht gemacht

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Die deutschen Hochschulen haben offenbar Probleme, qualitativ einwandfreie Bachelor- und Masterstudiengänge aufzubauen. Die deutschen Akkreditierungsagenturen, die für Studiengänge ein Qualitätssiegel erteilen, haben dieses Siegel bislang nur für ein Drittel der neuen Studiengänge ohne Vorbehalte vergeben. In sechzig Prozent der Fälle mussten die Hochschulen dagegen ihre Lehrpläne nachbessern, knapp sieben Prozent der Studiengänge wurden von den Agenturen ganz abgelehnt, weil sie zu schlecht gemacht waren. Diese Zahlen gab Jürgen Kohler am Donnerstag bekannt, der als Vorsitzender des Akkreditierungsrats die Arbeit der Agenturen koordiniert.

Die Akkreditierung von Studiengängen soll die Qualität von Bachelor- und Masterprogrammen sichern und wird im Rahmen des Bologna-Prozesses in allen europäischen Ländern eingeführt. Bisher ließen die deutschen Hochschulen ihre neuen Studiengänge eher schleppend begutachten. 26 Prozent der inzwischen 3075 Bachelorstudiengänge sind zum Juli 2006 akkreditiert, von den 2062 Masterstudiengängen sind 38 Prozent auf ihre Qualität geprüft.

Berlin stehe im Vergleich mit Ländern wie Bayern und Baden-Württemberg „nicht schlecht“ da, sagte Kohler. An den Berliner Hochschulen gibt es jetzt 81 Bachelor- und Masterstudiengänge mit Qualitätsauszeichnung. In ganz Bayern sind es nur 76. Spitzenreiter ist Nordrhein- Westfalen mit 411 geprüften Studiengängen. In Berlin sind vor allem die Fachhochschulen Vorreiter, was die Qualitätssicherung angeht. Sie stellen knapp zwei Drittel der akkreditierten Studiengänge. Dagegen sind bisher nur acht Bachelorstudiengänge der Berliner Universitäten untersucht und für gut befunden worden.

Kohler mahnte die Bundesländer, sie müssten sich jetzt „positionieren, wie sie es mit der Akkreditierung halten“. Nicht jedes Land würde so konsequent Akkreditierungen für Studiengänge fordern, wie es wünschenswert wäre. Auch die Studierenden müssten „sensibler werden“. Sie könnten von Qualitätsprüfungen am meisten profitieren. So würden einige Förderorganisationen inzwischen Stipendien für Auslandsaufenthalte nur noch dann vergeben, wenn die Studenten an ihrer Austauschuni einen Studiengang mit Qualitätssiegel belegen. tiw

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