Gesundheit : Delphine im Weltall: Das Bewusstsein des Universums

Bas Kast

Sind wir allein im All? 1960 startete der Versuch, diese Frage ein für allemal zu beantworten - mit technischen Mitteln. Das Projekt SETI wurde ins Leben gerufen. SETI, das heißt soviel wie "Search for Extraterrestrial Intelligence", die Suche nach intelligenten Wesen jenseits der Erde. Nicht in der Fantasie sollte fortan gefahndet werden, sondern mit Riesenteleskopen, die Radiowellen registrieren.

Im Laufe der Jahrzehnte hat man SETI technisch immer weiter perfektioniert. Inzwischen gibt es Teleskope, die ganze Täler füllen und ihr Ohr aufs All richten, um zu horchen, ob da noch jemand ist außer uns. Aber bislang hat der große Lauschangriff nichts gebracht - in den Riesenmuscheln herrscht weitgehend Totenstille, von bedeutungslosem Rauschen einmal abgesehen.

"Wenn es tatsächlich außerirdische Zivilisationen gibt, dann machen sie sich nicht besonders bemerkbar", bilanziert Tom Wilson vom Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn und der Universität von Arizona. Das Fachmagazin "Nature" widmet sich dem Thema "Astrobiologie - Leben im Universum" nun mit mehreren Beiträgen.

Über den Grund der großen Stille im All kann auch Wilson nur spekulieren: "Es könnte daran liegen, dass einfach nur sehr wenige solcher Zivilisationen existieren. Vielleicht gibt es welche, die ihre Nachrichten optisch austauschen, nicht mit Radiowellen. Oder es gibt Außerirdische, die aber kein Interesse daran haben, zu kommunizieren, und sich lieber versteckt halten."

Bereits vor Jahrhunderten war der Gedanke, dass wir nicht allein im Weltall sind, ziemlich weit verbreitet. 1610 publizierte Galileo Galilei sein erstes astronomisches Werk, die "Sternbotschaft" - eine Schrift, die die Science-Fiction-Fantasien geradezu beflügelte.

Galileo hatte mit seinem Fernrohr eine Handvoll überraschender Entdeckungen gemacht. So konnte er feststellen, dass die Mondoberfläche nicht glatt, sondern gekennzeichnet ist durch Berge und Täler, "genau wie die Erdoberfläche". Observationen, die am Weltbild rüttelten. Denn damit war nicht mehr die Erde Zentrum aller Kreisbewegungen. Und der Unterschied zwischen der Erde und den Gestirnen da draußen schien nun nicht mehr groß - ein Grund mehr, anzunehmen, dass wir keine kosmischen Singles sind.

"Dass Leben im Universum universal ist - das war in wissenschaftlichen Kreisen noch bis ins 19. Jahrhundert ganz selbstverständlich", schreibt der Oxforder Science-Fiction-Autor Brian Aldiss in "Nature". Erst allmählich geriet der Gedanke aus der Mode. "Und Ende der 1950er Jahre war die Idee, es könne Leben auf Mars oder sonstwo geben, eine Spottnummer." Das änderte sich schlagartig, als die Sowjet-Union ihren ersten Sputnik in den Orbit schossen. "Damit waren die Tore für Spekulationen über Besuche von der und auf der Erde wieder offen. Es war ein technologischer Traum." Die USA starteten SETI, um den Traum vom Kopf auf die Füße der Realität zu stellen.

Aber wie wahrscheinlich ist es, dass aus diesem Traum Wirklichkeit wird - dass wir jemals auf außerirdische Intelligenz treffen? Die Statistik spricht sowohl für als auch gegen eine solche Begegnung. Schon allein unsere Galaxie besteht aus etwa 200 Milliarden Sterne. Bei dieser Zahl scheint die Vorstellung, dass nicht nur an einem, sondern an vielen Orten Leben entstanden sein könnte, mehr zu sein als nur wilde Spekulation. Zwar zeigt keines der Planetensysteme außerhalb der Sonne Anzeichen von Leben - aber bisher sind uns nur ein paar Duzend solcher Systeme bekannt.

Doch auch in unserer "näheren" Umgebung bleibt noch so manches schleierhaft. So ist unbekannt, was sich im vermuteten Ozean unter der Eisdecke des Jupitermonds Europas versteckt. Schon Galilei hatte sie beobachtet. "Intelligente Garnelen vielleicht? Intellektuelle Fische? Wir können nur hoffen - aber es gibt einen Unterschied zwischen Hoffen und Überzeugung", wie Aldiss schreibt.

Leben ist allerdings nicht nur auf fernen Welten unwahrscheinlich. Auch ihre Entstehung auf Erden war das Resultat einer Kette von extrem seltenen - vielleicht einmaligen - Zufällen. Das erste Leben entwickelte sich schon relativ kurz nach der Entstehung der Erde, vor etwa 3,8 Milliarden Jahren. Dann aber bedurfte es nochmals Milliarden von Jahren, bis erste Lebewesen entstanden, die groß genug waren, dass man sie ohne Mikroskop hätte sehen können.

Auch unsere Gezeiten etwa haben wir einem für die Erde wohl einmaligen Zusammenprall zu verdanken: Als vor etwa 4,5 Milliarden Jahren ein Planet in die Erde einschlug, entwickelte sie ihre Rotation und die Schräglage, die uns Tag und Nacht und die Jahreszeiten bescheren. Beide Phänomene sorgen für eine gleichmäßige Verteilung der Hitze, "welche die Erde erst bewohnbar macht", so die Geologen Euan Nisbet und Norm Sleep. Ohne Rotation um die eigene Achse läge eine Erdhälfte in Dauerbestrahlung der Sonne, während die andere Hemisphäre in immerwährender Kälte und Dunkelheit vor sich hindämmern würde.

Vieles bleibt im Dunkeln - auch die Frage, wo das Leben, das wir auf Erden antreffen, seinen eigentlichen Ursprung hatte. "Leben existierte vielleicht auf Mars oder sogar Venus oder auf einem Mond, welcher die Erde über einen Meteoriten infiziert hat", schreiben Nisbet und Sleep. Das Fazit der Forscher: "Wir haben bislang nur wenig Ahnung davon, wie, wann oder wo das Leben begann. Ob die Erde als Planet des Lebens allein da steht, bleibt eine offene Frage." So, wie die Frage nach dem Außerirdischen.

Brian Aldiss stimmt im Zweifel gegen den Alien. Unsere Suche nach einem kosmischen Nachbarn spiegele irrationale "Echos unseres Ichs". Der Science-Fiction-Autor sieht für die Einsamkeit des Skeptikers aber auch eine Entschädigung: "Könnten wir uns von diesen atavistischen Fantasien befreien, so könnte der Mensch in die Galaxie ausschreiten mit dem Hintergedanken, das Bewusstsein des Universums zu werden."

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