Gesundheit : Den Kopf voll mit Formeln

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Uwe ragt schlaksig aus der Masse seiner Kommilitonen heraus. Hosen bis übers Knie, T-Shirt und Turnschuhe - man sieht dem 22-Jährigen nicht auf den ersten Blick den Mathematiker an. „Ich mag es, abstrakt zu denken“, sagt der Student. Deswegen hat er sich für die Welt der Formeln entschieden, in Mathe war er immer einer der Besten. „Aber das Niveau von Schulrechnen und Uni-Mathematik ist unglaublich unterschiedlich“, seufzt er. Sieben Wochen dauerte es, sich halbwegs an den „Mathe-Slang“ zu gewöhnen – und ihn ansatzweise zu verstehen. Obwohl alle Studierenden vor Semesterbeginn einen zweiwöchigen Crashkurs absolvieren mussten, blickten die meisten noch lange nicht durch den Wust von Formeln und Zahlen. Den Kopf voll mit Wissen, total überfrachtet, so wandelte Uwe von Seminar zu Seminar. „Aber die Vorlesungen sind auch nicht dazu ausgelegt, dass man sie gleich versteht“, begriff er schnell. Das heißt: Nacharbeiten, mindestens eine Stunde pro Vorlesung. „Die Professoren haben uns ohnehin am Anfang gezeigt: Ihr seid noch gar nichts und könnt noch gar nichts.“ Er war deprimiert, sagt jetzt, „die Anfangszeit war schlimm“.

Irgendwann war die Halbzeit herum und Uwe sah klarer, die Zeichen an der Tafel ergaben einen Sinn und die Stimme, die flüsterte „Bin ich hier richtig?“ wurde leiser. „Ein tolles Gefühl, wenn man zum ersten Mal etwas versteht.“ Viele seiner Kommilitonen spürten das nicht: Nur noch ein Drittel füllte zum Schluss noch die Bänke. Der Rest ist verschwunden. Uwe kennt sie jedoch nicht, er kennt überhaupt kaum einen Studenten aus seiner Fakultät. Der Student aus Nauen geht zum Lernen an die Uni. Freizeit, das ist anderswo. Deshalb trennt er sich auch leichten Herzens von der Humboldt-Universität, die ihn nach Adlershof schicken will. Zu weit, sagt er. Und wechselt zur Technischen Universität. jvm

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