Gesundheit : Der 10-Meter-Kannibale

Madagaskar-Dinosaurier verspeisten ihre Artgenossen

Bas Kast

Heute ist Madagaskar, die idyllische Insel an der afrikanischen Ostküste, ein beliebter Ferienort. Angenehme 30 Grad, Palmenstrände, Bungalowhotels, Urwälder – dazu putzige kleine Lemuren, Halbaffen, die ein bisschen wie Teddybären aussehen.

Vor rund 70 Millionen Jahren ging’s auf Madagaskar ganz anders zu. In den Flüssen lauerten ausgehungerte Krokodile. Und die waren noch harmlos im Vergleich zu dem bis zu zehn Meter großen, Fleisch fressenden Dinosaurier namens „Majungatholus atopus“. Das Monster war ausgestattet mit rasiermesserscharfen Zähnen und einem Gesicht, das nur eine Mutter lieben kann.

Die Zähne hatten die perfekte Form, um sich in das Fleisch einer schmackhaften Beute zu bohren. Aber was stand auf dem Menü des Madagaskar-Dinos? Dieser Frage ist nun ein Forscherteam um den Paläontologen Raymond Rogers vom Macalester College in St. Paul, Minnesota, nachgegangen. Die Antwort steht im Fachblatt „Nature“. Sie lautet: Auf dem Speiseplan des Majungatholus atopus stand er selbst. Der Dino war ein Kannibale. Zwar machte sein Hunger auch vor dem gigantischen Titanosaurier nicht Halt. Fossilien aber zeigen, dass der Majungatholus dazu regelmäßig seine eigenen Artgenossen fraß.

Es war Knochenarbeit, die die Forscher zu diesem Schluss brachte: „Wir haben buchstäblich Tausende von Dinosaurierknochen aus der ganzen Welt gesammelt“, sagt Teamleiter Rogers. Dabei stießen die Wissenschaftler bei den Majungatholus-Knochen auf Biss-Spuren (ähnlich wie sie ein Hund am Knochen hinterlässt), die nur von den scharfen Zähnen des Majungatholus-Dinos selbst stammen können. „Wir haben die Kiefer und Zähne von anderen Fleischfressern auf Madagaskar untersucht, darunter auch zwei große Krokodile“, sagt Rogers. Doch nur der Dino verfügte über den Kiefer und die Zähne, um die Art von Biss-Spuren zu hinterlassen, die die Forscher vorfanden.

Mit seiner Neigung zum Kannibalismus ist das ausgestorbene Tier allerdings in guter Gesellschaft. Bei vielen Fleischfressern stehen die Artgenossen hoch oben auf dem Speiseplan. Viele Insekten, aber auch Löwen fressen öfters ihresgleichen. Für die Forscher ist das Ergebnis deshalb auch keine allzu große Überraschung. Der Dino war, wie die Wissenschaftler vermuten, schlicht auf das Fleisch seiner Artgenossen angewiesen. Rogers: „Es spricht viel dafür, dass Majungatholus in harten Zeiten lebte.“

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