Gesundheit : „Der Bachelor folgt der Logik von Hartz IV“

1500 kommen zum ersten Streiktag der Freien Uni

Pablo Silalahi

Der „Warnstreik“ an der Freien Universität ist angelaufen – mit einer Versammlung von etwa 1500 Studierenden in den brechend vollen Hörsälen 1A und 1B in der „Silberlaube“. Zweieinhalb Stunden diskutierten die Studierenden darüber, welche Forderungen sie in der Warnstreikwoche stellen wollten. Dabei ging es vor allem um die Organisation der Bachelor-Studiengänge, aber auch um die Frage, ob „die Abschaffung des Kapitalismus“ in den Forderungskatalog gehöre.

Peter Grottian, Politikprofessor am Otto-Suhr-Institut (OSI), war der einzige Hochschullehrer, der sich zu Wort meldete: „Ich verweigere Teilnehmerlisten!“, rief er unter Applaus der Streikenden und erklärte, dass die „Disziplinierungslogik“ des Bachelor-Studiums der bei Hartz IV entspreche: „Es darf keine McDonaldisierung des Studiums geben!“

Schließlich einigte man sich auf vier „Kernforderungen“: Das Campus-Management, also die neue Computer-Verwaltung des Studiums, soll abgeschafft werden. Alle Bachelorstudierenden sollen zum Masterstudium zugelassen werden. Das Studium soll gebührenfrei und „selbstständig und emanzipiert“ bleiben.

In bis zu dreißig Arbeitsgruppen sollen nun Aktionen geplant werden. So soll eine Gruppe eine Großdemonstration vorbereiten. Eine andere Gruppe berät über die Abschaffung „kommerzieller Werbung“ in der Uni. Am heutigen Dienstag sollen dezentrale Versammlungen an den Instituten über Besetzungen von Seminaren entscheiden, sagte Asta-Sprecher Björn Kietzmann dem Tagesspiegel.

Am Montag war der normale Betrieb an der Uni im Wesentlichen weitergegangen. Nur vereinzelt fielen Kurse aus, weil viele Teilnehmer die Vollversammlung besuchen wollten. Zwei Studenten liefen mit Megafonen durch die Mensa und warben für den Protest. Am OSI besetzten Studierende einen Hörsaal, um dort ein Streikcafé und ein Materiallager für den Protest einzurichten. Doch in der Silberlaube war die Schlange am Kaffeeautomaten länger als vor dem Infostand der Streikzentrale. Katrin, die im zweiten Semester Chemie auf Bachelor studiert, findet den Streik zwar gut, traut sich aber nicht teilzunehmen: Sie hat Angst, sich zu viele Fehlzeiten einzuhandeln. Michael Frenzel hingegen, ebenfalls Bachelorstudent, will bis zum Mittwoch an keinem Seminar teilnehmen, um gegen den „Zwangscharakter“ der neuen Studiengänge zu protestieren, wie er sagt. Balthasar Bauer, Diplom-Mathematikstudent, meint hingegen, es seien vor allem die Sozialwissenschaftler, die am Streik teilnehmen: „Die haben sonst nichts zu tun und wollen sich wichtig machen.“

Unterdessen hat sich der Refrat, die Studierendenvertretung der Humboldt-Uni, mit der FU solidarisiert, wie Sprecherin Rebecca Brückmann sagt. Doch werde der Refrat keinen „Protest von oben“ an der HU inszenieren. Es sei zu hoffen, dass sich eine „Eigendynamik“ an der Basis entwickle. Kritik am Bachelor-Studium gebe es genug.

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