Gesundheit : Der Bund soll weiter Hochschulen bauen

Politiker und Forscher halten die Länder allein für zu schwach

Uwe Schlicht

Sind die Arbeitsbedingungen an den deutschen Hochschulen wirklich so schlecht, wie es vor kurzem der international bekannte Bildungsforscher Hans Weiler von der Stanford University formuliert hat? Spitzenforschung, so hatte er behauptet, finde in Deutschland nur noch außerhalb der Hochschulen statt. Der Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung ist dieser Frage bei einer öffentlichen Anhörung nachgegangen. Denn im Bundestag geht es darum, wie das Hochschulrahmengesetz novelliert werden soll und ob es notwendig ist, einen Wissenschaftstarifvertrag für alle Hochschulen und Forschungsinstitute außerhalb des BAT zu entwerfen.

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz Peter Gaehtgens widersprach der Einschätzung von Hans Weiler entschieden. Natürlich gebe es nach wie vor Spitzenforschung an den Universitäten, aber wenn man diese effektiver fördern wolle, dann müssten die Universitäten mit den Forschungsinstituten zusammenarbeiten. Durch solche Kooperationen würden jene Cluster entstehen, die sich die Kultusministerkonferenz und die Bundeswissenschaftsministerin auf dem Weg zu Eliteuniversitäten wünschten. Doch dabei müssten die Universitäten die führende Rolle spielen.

Abwandern an die Institute

Auch der Vorsitzende des Wissenschaftrats, Karl Max Einhäupl, argumentierte in dieser Richtung: Es gebe nicht nur eine Abwanderung der besten Nachwuchswissenschaftler in die USA, sondern auch von den Universitäten in die Forschungsinstitute. Denn die Universitäten seien im Gegensatz zu den Forschungsinstituten chronisch unterfinanziert. Wenn es wirklich dazu kommen sollte, dass die seit Jahren bewährte Mischfinanzierung von Bund und Ländern aufgegeben würde und die Länder nur noch die Hochschulen finanzierten, der Bund dagegen ausschließlich die Forschungsinstitute, dann werde sich die Schere immer weiter öffnen.

Die thüringische Wissenschaftsministerin Dagmar Schipanski verstärkte diese Aussagen: Die neuen Länder hätten immer noch einen enormen Nachholbedarf im Hochschulbau. Würden die Bundesmittel dauerhaft auf zwei Drittel des heutigen Standes reduziert, gebe es einen erheblichen Rückstau bei den Investitionen und Reparaturen. Die Hochschulen seien jedoch für die weiteren Entwicklung in den neuen Ländern von existentieller Bedeutung. Schon heute würden die Forschungsinstitute im Osten als „Außerirdische“ bezeichnet, weil sie im Vergleich zu den Universitäten so gut ausgestattet seien.

Das Gesetz muss abgespeckt werden

Besonders von einigen CDU-regierten Ländern wird der Verzicht auf das Hochschulrahmengesetz befürwortet, weil die Gefahr des politischen Missbrauchs durch den Bund zu groß sei. Peter Gaehtgens dagegen sagte vor dem Ausschuss, die Hochschulen wollten keine ersatzlose Streichung, aber eine erhebliche Reduzierung des HRG. Mindestens zwei Bereiche müssten durch das Hochschulrahmengesetz bundesweit geregelt werden: einheitliche Abschlüsse für die Studiengänge und die Zulassung zum Studium. Gerade mit Blick auf Europa sei es undenkbar, dass Deutschland bei den Abschlüssen mit 16 unterschiedlichen Modellen antrete.

Gaehtgens ist dafür, dass die Hochschulen sich ihre Studierenden selbst aussuschen dürfen. Nach einem Jahr soll die Eignung und Motivation der Studenten in einer Prüfung festgestellt werden. Das sei besser, als die Studenten vor der Zulassung durch Tests, gewichtete Abiturnoten oder Interviews auszuwählen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben