Gesundheit : Der Deutschamerikaner Hans N. Weiler kehrt in die USA zurück

Ulrike Hofsähs

Nach fast sechs Jahren an der Spitze der Universität Viadrina in Frankfurt / Oder gibt der Deutschamerikaner Hans N. Weiler in einigen Tagen das Amt ab. Genau an seinem 65. Geburtstag, am 13. September, wird er feierlich verabschiedet und kehrt nach Kalifornien zurück. Als Nachfolgerin wird am 11. Oktober die 56-jährige Berliner Politologin Gesine Schwan eingeführt. Als der Politikwissenschaftler 1991 begann, zwischen Kalifornien und Deutschland hin- und herzupendeln, wollte er eigentlich nur das Land Brandenburg bei der Einrichtung seiner Hochschulen beraten - und machte viele Jahre erfolgreich Station.

"Ich hatte im Traum nicht vor, mich mit dieser Universität einzulassen", sagt der 64-Jährige heute. Doch dann war die Neugründung so interessant, dass er zusagte und der erste Rektor der neuen Europa-Universität Viadrina wurde. "Es war klar, dass eine Universität entstehen würde, die sich ein bisschen vom Einerlei der deutschen Hochschullandschaft abheben würde", berichtet Weiler.

Für Weiler hätten die Gegensätze anfangs kaum krasser sein können. In den Vereinigten Staaten lehrte der gebürtige Rheinländer 30 Jahre an der Elite-Universität Stanford. In der Grenzstadt Frankfurt war Aufbauarbeit angesagt: "Ich hab das keine Minute lang bereut", sagt der Rektor in seinem nüchternen Amtszimmer in der ersten Etage des schlossähnlichen Uni-Hauptgebäudes. Es mussten Hörsäle beschafft, Professoren bestellt, der ganze akademische Betrieb organisiert werden. Erst in diesem Frühjahr wurde auch der Grundstein für ein 50 Millionen Mark teures Hörsaal- und Mensa-Gebäude gelegt.

Prägend für die junge Uni mit den Fakultäten Kulturwissenschaft, Jura und Wirtschaft ist die internationale Ausrichtung. Ungefähr ein Drittel der Studenten sind Ausländer; die meisten kommen aus dem benachbarten Polen. In Frankfurts Nachbarstadt Slubice hat die Viadrina zusammen mit der Universität in Poznan ein Lehr- und Forschungsinstitut, das "Collegium Polonicum", errichtet.

Die Viadrina ist ein viel beachtetes Pflänzchen unter all den etablierten Universitäten. Waren zu Beginn der Amtszeit Weilers nur 600 Studenten eingeschrieben, so sind es heute etwa 3000, die der Grenzstadt Frankfurt ein junges Flair geben. Mit 49 Professoren ist die Hochschule von einer Massenuniversität weit entfernt. Bei Hochschul-Vergleichen wird der akademische Betrieb gut bewertet.

Von Anfang an sollte der deutsch-polnische Aspekt im Mittelpunkt stehen. Dass es so gut funktionieren würde, habe er nicht im Traum gedacht, bekennt Weiler und ist voll des Lobes über die Studenten aus dem Nachbarland: "Sie sind voll integriert, arbeiten fantastisch und fördern den Wettbewerb in der Universität. Was mir durchaus recht ist."

Dass Berlin mit seinen vielen Hochschulen ein Problem werden könnte, glaubt der Wissenschaftler nicht. "Als spezialisierte Uni kann die Viadrina sich gut behaupten." Das war nicht immer so. 1811 schloss die erste brandenburgische Landesuniversität in Frankfurt / Oder ihre Pforten, nachdem ein Jahr zuvor die Humboldt-Universität in Berlin eröffnet worden war.

0 Kommentare

Neuester Kommentar