Gesundheit : Der Hamburger Historiker wurde 91 Jahre alt

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Es kommt selten vor, dass ein Historiker mit seinem Metier, der Geschichtsschreibung, selbst Geschichte macht. Für Fritz Fischer, der am Mittwoch gestorben ist, trifft das zu. Sein Buch "Griff nach der Weltmacht", 1961 erschienen, löste eine heftige Auseinandersetzung aus, die nicht nur die Wissenschaft, sondern auch die Öffentlichkeit erschütterte. Seine These, dass das Deutsche Reich 1914 in den Ersten Weltkrieg nicht "hineingeschlittert" sei, sondern dass seine Führung ihn bewusst herbeigeführt habe, rührte an die Grundfesten des damaligen Geschichtsbildes der Deutschen. Damit gehörte die "Fischer-Kontroverse" - unter welchem Namen der Streit bald zum Begriff wurde - zu den Marksteinen des Wandels, mit dem sich die Bundesrepublik Anfang der sechziger Jahre von ihrer Grundlegung in der Ära Adenauer entfernte. Insofern gehörte Fischer - obwohl methodisch eher in der Tradition stehend - zu den Anregern der neuen Historiker-Generation, die die Entwicklung des Fachs und die Veränderung des Geschichtsbildes der Deutschen in den vergangenen zwei, drei Jahrzehnten bestimmte. Das biblische Alter, das der Hamburger Historiker erreichte - er wurde 91 Jahre alt -, hat zu Folge gehabt, dass er beides miterlebte: zunächst, dass sein Werk sich durchsetzte, sodann, dass der Gang der Zeit und neue Fragestellungen es überholten.

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