Gesundheit : Der Herzspezialist

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Stefan Anker hat es mit der Charité. Hier wurde er geboren, hier studierte seine Mutter Medizin, hier war er selbst Student und erfand die „Europäische Studentenkonferenz", die sich längst zu einem wissenschaftlich ernst zu nehmenden Forum für junge, an der Forschung interessierte Mediziner entwickelt hat. Nun wird Anker Juniorprofessor an der Charité - und ginge es nach ihm, würde er dort auch eines Tages eine C4-Professur antreten, die sein Ziel ist.

Dabei ist Anker keineswegs ein Stubenhocker. „Ich wollte immer ins Ausland", sagt er. Nach seiner Promotion im Jahre 1993 ging der Kardiologe zunächst nur für sieben Monate nach London. Aber der Kontakt zum National Heart and Lung Institute brach mit Ankers Rückkehr nach Berlin nicht ab. Er ging wieder nach England und promovierte 1998 zum PhD. Seitdem pendelt er zwischen London und Berlin, wo seine Frau mit dem inzwischen 13-jährigen Sohn lebt.

Schlechte Prognose

„Die Wissenschaft ist mein Hobby. Meine Kollegen sind meine Freunde", sagt Anker. Unentwegt reist er in der Welt umher, um Vorträge über sein Gebiet zu halten: die chronische Herzschwäche, die mit Gewichtsverlust einhergeht. „Kardiale Kachexie", nennen die Mediziner das. Den Durchbruch erzielte Anker vor fünf Jahren in einer Studie, die in der erstklassigen Fachzeitschrift „Lancet" veröffentlicht wurde. Das Ergebnis: Patienten, die unter chronischer Herzschwäche leiden und dabei Gewicht verlieren, haben eine deutlich schlechtere Prognose als diejenigen, deren Gewicht stabil bleibt. Langfristig will Stefan Anker den krankhaften Gewichtsverlust generell untersuchen, etwa bei alten Menschen. Seine These: Wer im Alter schnell an Gewicht verliert, für den ist Cholestorol, also Fett, gut: „The fatter, the better", heißt die Formel, die er gefunden hat.

Die Bedingungen in London sind sehr gut, die Arbeit in Ankers sechsköpfiger Gruppe funktioniert, inzwischen gibt es intensive Kontakte zum Max-Delbrück-Centrum in Berlin und zur Charité. Wenn Anker trotzdem wieder nach Berlin kommt, dann nicht, um endlich Juniorprofessor zu werden. „Mit der Juniorprofessur, so wie Frau Bulmahn sie sich gedacht hat, hätte man mich nicht zurückgeholt", sagt der 36-Jährige. Die 77 000 Euro, mit der die Stelle vom Bundesforschungsministerium für die Anschaffung von Forschungsmitteln ausgestattet ist, sind „in der Medizin schneller ausgegeben, als man gucken kann", und das Gehalt reißt einen Forscher wie Anker nicht vom Hocker.

Doch verhandelt er mit der Charité um eine deutlich bessere Ausstattung, mit der er Geräte und seine Berliner Arbeitsgruppe finanzieren kann. „Eine Juniorprofessur à la Bulmahn ist für Mediziner nicht attraktiv", sagt er. So allerdings, wie die Charité die Juniorprofessur umsetze, mache sie „sehr viel Sinn". Die Stellen werden - anders als vielerorts - zusätzlich zentral finanziert.

Davon abgesehen hält Anker die Idee von den völlig unabhängig forschenden Juniorprofessoren in der Medizin für „eine Illusion". „Die letzte Verantwortung muss aus rechtlichen Gründen immer beim Chefarzt liegen." Anker macht das nichts aus: „Junge Forscher sind nicht unterdrückt. Und networking gehört nun mal dazu." Einen „tenure track", bei dem bewährte Nachwuchsforscher eine Festanstellung an ihren Hochschulen bekommen, hält er für überflüssig: „Qualität setzt sich durch." Deshalb will er sich zusätzlich zu seiner Juniorprofessur habilitieren: „Die Besten sind alle habilitiert." akü

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