Gesundheit : Der Kampf gegen das Artensterben

RHK

26 000 Arten verschwinden jedes Jahr vom Globus. Alle zwanzig Minuten stirbt also eine Tier- oder Pflanzenart auf der Erde aus, verlässt auf Nimmerwiedersehen Kontinente, Inseln, Ozeane, Flüsse, Seen und Eismassen. Ein Artensterben ist im Gange, wie es dieser Globus noch nie erlebt hat. Die derzeitigen Ereignisse sind gravierender als die am Ende der Kreidezeit, als ein kosmischer Bolid die Dinosaurier und viele weitere Arten auslöschte. Sie sind sogar schlimmer als das Artensterben am Ende des Perm vor 250 Millionen Jahren, dem 95 Prozent aller Arten zum Opfer fielen.

Eine schlichte Rechnung führt die Dramatik des Geschehens deutlich vor Augen: Zwischen 1,5 und 1,8 Millionen Tier- und Pflanzenarten leben auf der Erde, manche Wissenschaftler spekulieren sogar mit zehn Mal mehr Arten. Laut Theorie sollte es also fünfzig Jahre dauern, bis nach pessimistischen Prognosen die letzte Pflanze und das letzte Tier vom Globus verschwindet, ein optimistischer Ansatz rechnet mit 700 Jahren. In der Praxis sagen solche Zahlenspielereien wenig, die Dramatik des Geschehens aber beleuchten sie wie ein Schlaglicht: Bisher rechneten Artensterben nach Jahrtausenden, erst der Mensch unterschreitet diese Marke deutlich. Denn Homo sapiens ist die Ursache des Artensterbens, sein Wirtschaften zerstört die biologische Vielfalt in einem atemberaubenden Tempo.

Längst ist dieser Prozess zu schnell geworden, um rasch gestoppt zu werden. Auch die radikalsten Naturschützer akzeptieren mittlerweile, dass nicht jedes wertvolle Biotop und nicht jede Art gerettet werden kann. Die Devise kann daher nur noch lauten, das Bestmögliche aus der dramatischen Situation zu machen. Und das muss rasch geschehen.

Denn nach Ansicht praktisch aller Experten entscheidet sich in den nächsten zehn bis zwanzig Jahren das Schicksal unseres Planeten zwischen dem endgültigen Ausverkauf der Natur oder einer Wende zu einem nachhaltigen Wirtschaften, das die Natur schont und unsere Lebensgrundlagen dauerhaft sichert. 232 Schlüsselregionen hat der World Wide Fund for Nature WWF in seiner Initiative "Global 2000" identifiziert, die für den Naturschutz unersetzlich sind. Neunzig Prozent aller Tier- und Pflanzenarten leben dort.

Gelingt es, die Natur und Artenvielfalt dieser wertvollsten Regionen zu erhalten, bewahrt man gleichzeitig die Lebensgrundlagen der menschlichen Zivilisation. Der WWF präsentiert diese Schlüsselregionen auf der EXPO 2000 in Hannover, um zum Engagement für den Schutz dieser Gebiete zu motivieren. Der Tagesspiegel wird einige dieser Regionen vorstellen.

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