Gesundheit : Der Kanal des Königs

Wie es in der Bibel steht: Wasserleitung in Jerusalem ist authentisch

Amory Burchard

„Was mehr über Hiskia zu sagen ist, (…) und die Wasserleitung, durch die er Wasser in die Stadt geleitet hat, siehe das ist geschrieben in der Chronik der Könige Judas.“ So steht es im Alten Testament, im Zweiten Buch der Könige (20, 20). In der Zweiten Chronik (32; 3, 4) heißt es dann, dass König Hiskia „die Wasser der Brunnen deckte“, damit „die Könige von Assyrien nicht viel Wasser finden, wenn sie kommen“.

Jetzt glaubt eine israelisch-britische Forschergruppe Hiskias Kanal identifiziert zu haben. Bekannt ist der mannshohe, 500 Meter lange, in Stein gehauene Siloam-Kanal, der von der Gihon-Quelle in die Altstadt Jerusalems führt, seit Ende des 19. Jahrhunderts. Schon lange glaubten Archäologen und Historiker, dass der biblische König ihn um 700 v. Chr. gebaut hat, aber zweifelsfrei bewiesen war das nicht. Zwar wurde im Tunnel eine Inschrift gefunden, aber weder ist darin von einem König die Rede, noch konnte sie bislang datiert werden.

Die Geologen Amos Frumkin und Aryeh Shimron aus Jerusalem und Jeff Rosenbaum aus Reading haben jetzt Proben aus dem Verputz des Tunnels radiometrisch bestimmt. Mit der Radiocarbon- und der Uran-Thorium-Datierung sei es gelungen, die Entstehung des Tunnels in der Eisenzeit, um 700 v. Chr., zu belegen, schreiben die Wissenschaftler in einem Bericht für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift „Nature“. „Drei voneinander unabhängige Beweisketten – radiometrische Datierung, Paläographie und historische Zeugnisse – verweisen auf die Zeit um 700 v. Chr., die den Siloam-Tunnel zum am besten datierten biblischen Bauwerk der Eisenzeit machen“, schreiben sie.

Moderne Datierungsmethoden könnten grundsätzlich genutzt werden, um die Authentizität von Funden, die scheinbar in der Bibel erwähnt werden, „unabhängig zu prüfen“. Aber gut erhaltene Proben aus der Eisenzeit seien eben sehr selten. Zumindest der Bericht über Hiskias Jerusalemer Wasserleitung aber scheint nun bestätigt zu sein.

„Gutes Handwerk“ bescheinigt der Berliner Archäologe Hartmut Kühne den Geologen. Sie hätten zum ersten Mal mit naturwissenschaftlichen Methoden einen Beweis geliefert, der die bisher vorliegenden geisteswissenschaftlichen Hinweise unterstütze.

Ins Gerede gekommen war die biblische Archäologie zuletzt durch zwei Fälschungen, die durch das israelische Amt für Altertümer entlarvt wurden: der angebliche Knochenkasten Jesu und die „Tempelinschrift“ des judäischen Königs Joasch aus dem 9. Jahrhundert v. Chr.

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