Gesundheit : Der "kleine Unterschied" ist 300 Millionen Jahre alt

Davor hatten Umweltfaktoren das Geschlecht bestimmt

Seit 300 Millionen Jahren bestimmen zwei Chromosomen den "kleinen Unterschied": Embryonen mit zwei X-Chromosomen entwickeln sich zu weiblichen Wesen, Embryonen mit einem X- und einem Y-Chromosom werden männlich. Davor hatten vor allem Umweltfaktoren das Geschlecht bestimmt, etwa die Wärme des Wassers, in dem ein Ei ausgebrütet wurde.

Das berichten die Forscher David Page und Bruce Lahn vom Whitehead-Institut in Cambridge (Massachusetts) im Fachblatt "Science". Das X- und das Y-Chromosom entwickelten sich aus einem ganz normalen Paar geschlechtsunabhängiger Chromosomen, Autosomen genannt. Das Erbgut des Menschen ist auf 44 Autosomen - 22 identische Paare - und zwei Geschlechtschromosomen - XX oder XY - verteilt. Das X-Chromosom beherbergt Tausende von Genen, während sich auf dem Y-Chromosom nur einige Dutzend Gene aneinander reihen. Von ihnen sind 19 Gene identisch mit Genen auf dem X-Chromosom. Die Forscher bezeichnen diese 19 Gene als "lebende Fossilien".

Aus einem Vergleich ihrer Sequenzen schließen Page und Lahn, dass sich die beiden Chromosomen in vier Schritten entwickelten. Der erste Zeitblock liege etwa 240 bis 320 Millionen Jahre zurück und begann mit der Trennung zwischen den Vorfahren der Säugetiere und der Vögel. Der zweite Block setzte nach der Separation von einem entenschnabeligen Urtier ein, der dritte, als sich die Urahnen der Säugetiere von den Vorfahren der Kängurus absetzten. Der vierte Block begann nach der Trennung von den zu den Halbaffen zählenden Lemuren.
© 1999

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