Gesundheit : Der Königsweg des Oliver Brüstle

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Erwachsene Stammzellen sollen wieder embryonal werden

In der letzten Woche hat der Bundestag für die Forschung an embryonalen Stammzellen "die Tür einen Spalt weit aufgemacht", wie es Bärbel Friedrich, Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), ausdrückt. In Ausnahmefällen dürfen menschliche embryonale Stammzellen jetzt zu Forschungszwecken eingeführt werden. Die Berliner Mikrobiologin moderierte am Mittwochabend in der Staatsbibliothek eine Diskussion des Einstein-Forums und der DFG zum Thema "Stammzelltherapie - Wie weit dürfen wir gehen?" Das vorsichtige Fazit des Abends: Wir können gar nicht so weit gehen, wie viele glauben.

Oliver Brüstle, der Bonner Neuropathologe, dessen DFG-Antrag die deutsche Stammzelldebatte ausgelöst hatte, erläuterte in seinem ebenso kurzen wie umfassenden Vortrag den gegenwärtigen Stand der Stammzellforschung. Er rechnet damit, dass embryonale Stammzellen frühestens in fünf bis zehn Jahren beim Menschen erprobt werden. Noch sind massive Probleme zu lösen: So müssen die Stammzellen, die man eines Tages schwerkranken Patienten ins Hirn spritzen will, von allen Fremdzellen gereinigt sein. Und sie sollen außerdem in der Lage sein, ihren Heilungsauftrag auch wirklich auszuführen.

Brüstle steht unter Druck. Da ist der wissenschaftliche Erfolgszwang. Er muss noch Monate warten, bis er in Deutschland an embryonalen Stammzellen forschen kann, weiß aber nicht, ob die Konkurrenz nicht bereits an neueren Stammzell-Linien forscht, die besser sind, aber für deutsche Forscher tabu. Und dann sind da die neugierigen Journalisten und die verzweifelten Anrufe von Patienten und ihren Angehörigen, für die Stammzellen der letzte Strohhalm sind.

Vielleicht ist es eines Tages möglich, die weniger vielseitigen und vermehrungsfreudigen, dafür ethisch unproblematischen Stammzellen Erwachsener ("adulte Stammzellen") zurückzuprogrammieren und ihnen die Jugendfrische embryonaler Stammzellen zu verleihen. Das ist der Traum des Oliver Brüstle. Es klang ein wenig so, als forsche er an embryonalen Zellen, um diese Forschung schließlich überflüssig zu machen.

Auch für Konrad Beyreuther, Brüstles Widerpart auf dem Podium, ist die Rückprogrammierung "ausgewachsener" Stammzellen der ersehnte Königsweg. Darin zumindest war er sich mit Brüstle einig. Der Heidelberger "Alzheimer-Papst" lehnt ansonsten die "verbrauchende Embryonenforschung" ab und setzt ausschließlich auf die Forschung an adulten Stammzellen.

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