Gesundheit : Der Mann, der alles weiß

Traugott Klose hat sich 30 Jahre lang für die FU engagiert

Detlef Borrmann

„Fragen Sie Klose!“ Diesen Rat hörte man 30 Jahre lang. Er erging an alle, die wissen wollten, wie die Freie Universität tickt. Traugott Klose weiß alles über „seine“ Universität. Wenn er jetzt in den Ruhestand tritt, geht der Initiator zahlloser Pläne und Projekte. Im Oktober 1970 begann Klose seine Arbeit an der FU als Leiter der Stabsstelle für Systemanalyse und Organisationsentwicklung. Die steil ansteigenden Studentenzahlen zwangen zur Entwicklung eines Studentenverwaltungssystems. Bald blieben die Überraschungen, die Anfang der siebziger Jahre zu Semesterbeginn auftraten – es standen häufig auf einmal fünfzig oder hundert Studenten mehr als erwartet da – allmählich aus. Den Bogen zu diesen kleinen Anfängen schlägt das Projekt der neunziger Jahre, in dem mit Kennziffern und einem Vergleich der Kostenstrukturen die Wirtschaftlichkeit der Hochschule auf den Prüfstand gestellt werden sollte.

Ein Thema, das Klose stets am Herzen lag, war die Studienreform. Dabei ging es einmal um die Entrümpelung der Ausbildungsgänge, zum anderen auch um die Schaffung von Konkurrenzsituationen durch Modellversuche. Klose hat sich auch um die Verbesserung der Situation des wissenschaftlichen Nachwuchses gekümmert und war ein wichtiger Streiter für das Berliner Nachwuchsförderungsgesetz. Den Klagen aus Gesellschaft und Politik, dass die FU im damaligen West-Berlin einen Staat im Staate bildete, trat er mit dem Projekt der Berlin-Forschung entgegen. Es gelang, Nachwuchswissenschaftler und Politiker in einer stadtbezogenen Arbeit einzusetzen.

Die nahezu beliebig zu verlängernde Liste der Aktivitäten Kloses liest sich wie ein Erfolgsroman, in dem einzelne Komplikationen nicht ausbleiben können – sonst wäre er ja nicht spannend. Die Phase „Leitung des Planungsstabes“ dauerte bis 1978, dann wurde der Planungsstab in die Zentrale Universitätsverwaltung eingegliedert. Ursache dafür war das Drängen der eher konservativen Teile der Universität, die sich vom Planungsstab bevormundet fühlten, und der Versuch des damaligen Wissenschaftssenators Peter Glotz, durch eine Umorganisation Befriedung zu schaffen. Klose war dann von 1978 bis 1985 Leiter der Abteilung VII für Forschung, Lehre und Studium. Danach war ihm die Abteilung für Studentische Angelegenheiten, Lehre und Studium übertragen. Auffällig daran ist der Abgang der Forschung – sinnfälliger Ausdruck eines Machtkampfes um diesen Bereich, mit dem man sich gegenüber der Öffentlichkeit besser schmücken kann als mit der Lehre.

Klose hat über die Jahre an der Universität ein ungeheures Arbeitspensum bewältigt. Er hat sich uneigennützig um die Verbesserung der Verhältnisse bemüht – man kann es auch das Gemeinwohl nennen. Auch als nun Außenstehender fühle ich mich zu der Feststellung berechtigt: Die FU schuldet ihm Dank.

Der Autor war von 1972 bis 1989 Kanzler der FU, von 1989 bis 1991 Staatssekretär in Berlin für Inneres und zwischen 1991 bis 1999 Staatssekretär für Justiz.

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