Gesundheit : Der Nachfolger der Compact Disc scheint sich endlich ins Herz der Konsumenten gespielt zu haben

Christoph Meyer

Neugierig drängen sich die Menschen um die schwarzen, flachen Geräte in der Elektronikabteilung eines Hamburger Fachmarktes. Nach drei Adventswochenenden steht ein Sieger im Rennen um den Renner bei den Weihnachtsgeschenken in diesem Jahr schon fest. "DVD ist für uns der Stern am Elektrohimmel", freut sich ein Verkäufer über das rege Kundeninteresse. Nach zwei erfolglosen Anläufen scheint sich die Digital Versatile Disc (DVD) im dritten Jahr endlich in die Herzen der Konsumenten gespielt zu haben, denn die kleinen Silberscheiben und die Abspielgeräte haben sich zu Verkaufsschlagern entwickelt. 150 000 DVD-Player werden nach Schätzung von Experten bundesweit bis zum Jahresende abgesetzt, ein Drittel davon als Weihnachtsgeschenk.

"DVD ist der Weihnachtsknüller überhaupt. Wir sind mit den Verkaufszahlen sehr zufrieden", sagt Bettina Trzebiatowski, Produktmanagerin beim DVD-Hersteller und Marktführer Panasonic. Es seien in der Branche deutlich mehr Geräte abgesetzt worden als noch zu Jahresanfang erwartet. "Nächstes Jahr rechnen wir sogar mit bis zu 300 000 verkauften Spielern."

Die Digital Versatile Disc sieht aus wie eine ganz normale CD - sie kann aber viel mehr. Das Speichervolumen der Scheiben ist 26 Mal höher als bei normalen CDs. Dieser Platz lässt sich beispielsweise für Musik in bester Klangqualität oder acht Stunden Film in Kinoqualität nutzen. Für Ärger in der DVD-Gemeinde sorgt jedoch das regionale Copyright, das das Abspielen von amerikanischen oder asiatischen DVDs auf deutschen Playern verhindern soll.

In den USA ist die DVD bereits seit 1997 der Star der Entertainment-Industrie. Mehr als vier Millionen verkaufte Geräte lassen bei den Herstellern kräftig die Kassen klingeln. Nach Angaben der DVD-Arbeitsgemeinschaft (Stuttgart) besitzen 30 Millionen Amerikaner bis zum Jahr 2002 einen Player. 5000 Filme stehen in der neuen Technologie zur Verfügung.

In Deutschland sind bislang 1000 Spielfilme auf Digital Video Disc erhältlich. Die Preise liegen mit 35 bis 60 Mark pro Stück allerdings deutlich über den üblichen Preisen für Videofilme. Die Geräte kosten zwischen 500 und 5000 Mark. Dafür bekommt der Kunde auch wesentlich mehr geboten, denn die großen Kinohits sind nicht nur in einer besseren Qualität, sondern auch in mehreren Sprachen zu sehen und hören. Nach Ansicht zahlreicher Branchen-Experten steht ein ähnlichen Umbruch wie von der Langspielplatte (LP) auf die Compact Disc (CD) bevor.

"Der Wechsel von Videofilmen zur DVD geht aber viel schneller als damals zur CD", erklärt die Pressesprecherin der Ingolstädter Media-Markt-Gruppe, Janina Knab. Schon jetzt würden mehr DVDs als Videos über die Ladentheke gehen. Auch bei den Abspielgeräten sei gerade in der Vorweihnachtszeit ein Run zu verzeichnen. Im Jahr 2000 sollen sich in Deutschland die Verkaufszahlen gar vervierfachen, sagt Knab. "Die DVD ist für die Branche wichtig, denn sie ist eine der wenigen echten Innovationen im Moment."

Die Gesellschaft für Unterhaltungselektronik (gfu) in Köln ist in gleicher Weise euphorisch gestimmt. Die DVD erlebe derzeit einen "Boom", und der Erfolg der DVD habe "eine neue Ära eingeläutet". Alleine mit den Geräten habe die Unterhaltungsindustrie in diesem Jahr trotz fallender Preise den Umsatz auf gut 220 Millionen Mark fast verdoppelt.

Bei dem Elektroriesen "Saturn" in Hamburg herrscht bei dem Thema DVD eher Gelassenheit. Verkaufsleiter Dirk Mitsch bestätigt zwar, dass DVD immer mehr nachgefragt wird. "Der Videorekorder bleibt aber sehr umsatzstark." Denn ein entscheidender Nachteil bremst den endgültigen Siegeszug der DVD. "Erst wenn die Digital Versatile Disc wie eine Videokassette wiederbespielbar ist, schafft sie den Durchbruch."

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