Gesundheit : Der Name Charité soll erhalten bleiben

Humboldt-Universität gegen gemeinsame Medizin-Fakultät

Uwe Schlicht

Die Humboldt-Universität will eine Neuordnung der Hochschulmedizin in Berlin nur unter Bedingungen akzeptieren. Der Präsident der Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek, erteilte gestern vor dem Akademischen Senat einer gemeinsamen medizinischen Fakultät mit der Freien Universität in einem neuen Zentrum für Hochschulmedizin eine Absage. Bei der Fusion der bisher eigenständigen Medizin-Fakultäten der Freien und der Humboldt-Universität müsse die Neubildung Bestandteil der Humboldt-Universität werden und den Namen Charité tragen. Als weitere Bedingung nannte Mlynek: Sollte ein einheitliches Klinikum mit einem Vorstand und einem hauptamtlichen ärztlichen Direktor entstehen, müsse es dennoch bei drei Standorten in Mitte, Wedding und Steglitz bleiben. Eine Aufgabe des Virchow-Klinikums komme nicht in Frage. Dies hatten die Experten vorgeschlagen.

Außerdem verlangt der Präsident der Humboldt-Universität vom Berliner Senat rechtlich verbindliche Garantien für die Zukunft der Hochschulmedizin in Berlin nach der Neuordnung. Mlynek begründete seine Kritik an den Vorschlägen der auswärtigen Expertenkommission damit, dass der weltweit berühmte Name Charité nicht untergehen dürfe und dass ein hochschulübergreifendes Zentrum für universitäre Medizin zu große Ähnlichkeit mit einer medizinischen Hochschule hätte. Die Zukunft der Hochschulmedizin liege aber im Verbund der Medizin mit den Natur- und Geisteswissenschaften einer Universität.

Mlynek erwähnte bei seiner Kritik nicht, dass die vom Berliner Senat berufene Expertenkommission gar keine eigenständige medizinische Hochschule für Berlin empfiehlt. Aber die Experten sehen für den radikalen Bettenabbau sowie für die Verminderung von Doppel- und Dreifachbesetzungen von bestimmten medizinischen Lehrstühlen nur dann eine Chance, wenn es zwischen der Freien Universität und der Humboldt-Universität keinen Konkurrenzkampf mehr gibt. Deswegen votieren die Experten für eine Fakultät und ein Klinikum. Zu ihrem Auftrag gehörte es, 98 Millionen Euro bei der Hochschulmedizin einzusparen.

Den Lösungsvorschlag von gemeinsamen Zentren zweier Universitäten bewertete Mlynek generell kritisch: Wenn dieses Modell Schule mache, dann könnten auch in anderen Fächern neben der Medizin in Berlin solche Zentren gebildet werden. Auf einer Sondersitzung im November will der Akademische Senat die endgültige Stellungnahme für die HU beschließen.

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