Der OP-Kurs : So werden die Gaumenmandeln entfernt

Björn Rosen

Die Mandeln sind wichtig für unser Immunsystem. Spricht man von den Mandeln, dann sind meist die Gaumenmandeln gemeint. Es gibt aber auch noch die Rachenmandel hinter der Nase und die Zungengrundmandeln. „Simpel gesagt, gehören sie alle zur ,Grenzpolizei’ des Körpers“, erklärt Schahriar Agha Mirsalim, Hals-Nasen-Ohren-Arzt am DRKKlinikum Westend. „Denn sie sind der erste Berührungspunkt des Immunsystems mit fremden Stoffen, die über die Nahrung oder mit der Luft eindringen.“

Trotzdem müssen die Mandeln manchmal entfernt werden – wenn sie sich immer wieder entzünden.

Um die Gaumenmandeln herauszunehmen, genügt eine kurze Operation von etwa 15 Minuten. Bei Kindern bis zum Alter von sechs Jahren entscheidet man sich oft gegen diese OP, weil die Mandeln wichtig für die Reifung des gesamten Immunsystems zu sein scheinen. Ein erwachsener Körper kann eine Mandelentfernung dagegen problemlos verkraften.

Für die OP wird der Patient voll betäubt. Er liegt auf dem Rücken, der Kopf hängt etwas nach hinten über. „Zuerst drückt man seine Zunge mit einem metallenen Spatel nach unten“, sagt Mirsalim. „Dann kann man durch den Mund mit einer Zange die Schleimhaut im Rachen greifen und einschneiden. Direkt darunter befinden sich die Mandeln.“

Die Mandeln bestehen aus weichem Lymphgewebe, das von einer Kapsel aus festem, weißem Bindegewebe umgeben ist. Dahinter liegt die Gaumenmuskulatur. Ohne diese zu verletzen, schält der Arzt die Mandeln nun mit einem gezahnten Löffel von innen und entlang der Kapsel aus. Dabei entstehen Blutungen, die mit Tupfern gestillt oder mit einer sogenannten bipolaren Elektrode „verschweißt“ werden müssen.

Die offene Wunde, die zurückbleibt, tut einige Tage lang weh und kann zur Gefahr werden. Deshalb muss der Patient noch bis zu sechs Tage im Krankenhaus bleiben und sich bis zu drei Wochen zu Hause erholen, bis alles verheilt ist. „Anfangs sollte man sich nicht anstrengen“, sagt Mirsalim. „Heiße, auch scharfe Speisen und Getränke mit Kohlensäure sind tabu. Sie könnten Nachblutungen auslösen.“

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