DER OP-Kurs : So werden Krampfadern entfernt

Björn Rosen

Nur etwa zehn Prozent der Deutschen haben völlig intakte Venen, wie Studien zeigen. Und das hat Folgen.

Vor allem in den Beinen gibt es „viele dieser Gefäße, die Blut zurück zum Herzen transportieren“, erklärt Bernhard Klumpp vom Venenzentrum Berlin-Adlershof. „Man unterscheidet das tiefe Venensystem in der Muskulatur und das oberflächliche unter der Haut.“ Damit das Blut, das durch Druck der Muskeln in Richtung Herz gepresst wird, nicht wieder nach unten sackt, sind in den Venen natürliche Schleusen eingebaut – die Klappen. Wenn diese im oberflächlichen System nicht richtig funktionieren, entstehen Krampfadern. „Dann fließt das Blut nach unten und staut sich dort.“ Neben einer Veranlagung, spielen auch Bewegungsmangel und Übergewicht eine Rolle. Schwere Beine, blaue Flecken und Wasseransammlungen gehen mit Krampfadern einher. „Aber sie sind nicht nur ein kosmetisches Problem. Denn das Blut fließt über Verästelungen zurück ins tiefe Venensystem, das so überlastet wird – schwerwiegende Erkrankungen wie offene Beine können die Folge sein, machen sich aber erst nach Jahren bemerkbar.“

Deshalb sollten Krampfadern früh behandelt werden, zum Beispiel mit Kompressionstrümpfen. „Man kann die betroffene Vene auch ohne großes Risiko herausoperieren“, sagt Klumpp. „Mit vielen tausend Operationen jährlich ist das ‚Stripping’, das schon seit 100 Jahren angewandt wird, die häufigste Variante.“ Dafür sind zwei Einschnitte nötig. Der eine, ein paar Zentimeter lang, in der Leistengegend; der andere, nur millimetergroß, etwa eine Handbreit unter dem Knie. An beiden Stellen wird die Vene durchtrennt und schließlich das Teilstück im Oberschenkel entnommen. „Den Abschnitt im Unterschenkel operiert man selten heraus, weil er meist gesund ist. Außerdem befindet sich in Nähe ein Nerv, der lädiert werden könnte.“

Und wie schafft es der Arzt, die Vene aus dem Oberschenkel zu ziehen, ohne das umliegende Gewebe zu beschädigen? Durch die Öffnung in der Leiste schiebt er eine Sonde tief in die Vene, die auf Höhe des Knies wieder austritt. „Sie besteht aus Metall und sieht aus wie ein dünnes Stahlkabel.“ Schließlich wird die Vene am Ende der Sonde befestigt. Jetzt muss der Arzt sie nur noch nach unten herausziehen. „Die Vene stülpt sich dabei um, ähnlich wie ein Hosenbein von innen nach außen umgekrempelt wird“, erklärt Chirurg Klumpp. „Danach ist es noch nötig, ein paar millimetergroße Einstiche im Verlauf der Krampfadern am Unterschenkel zu machen und mit kleinsten Schnitten Nebenäste der Vene zu entfernen.“ Je nachdem, wie viele solcher Äste herausoperiert werden müssen, dauert das Stripping 30 bis 60 Minuten.

„Im Anschluss bekommen die Patienten einen Tag lang einen Kompressionsverband angelegt, der Nachblutungen verhindert.“ Für drei bis vier Wochen sollten sie Stützstrümpfe tragen, die einen dosierten Druck auf das Bein ausüben und Beschwerden lindern. „Das Risiko, das man noch einmal operiert werden muss, ist sehr gering.“ Aber: „Da Krampfadern genetisch bedingt sind, kann es natürlich passieren, dass irgendwann eine andere Vene Probleme bereitet.“ Björn Rosen

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