DER OP-Kurs : So wird am Meniskus operiert

Björn Rosen

Wer den Begriff Meniskus hört, denkt gerade jetzt an Fußball. Denn kaum eine Verletzung trifft kickende Amateure und Profis verheerender als ein Riss oder eine Quetschung dieser knorpeligen Struktur im Kniegelenk. Russlands Stürmer Pawel Pogrebnjak fällt wegen eines Einrisses am Meniskus für die gesamte EM aus. Er wurde am Mittwoch operiert. „Aber auch Menschen, die keinen Sportunfall erlitten haben, können betroffen sein“, sagt Dirk Casper, leitender Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie am Unfallkrankenhaus Berlin. „Zum Beispiel Fliesenleger, deren Knie bei der Arbeit stark beansprucht werden. Sie haben meist chronische Probleme, die Beschwerden kommen langsam.“

Meniskus ist griechisch und bedeutet so viel wie Möndchen – denn wie ein Halbmond sind die elastischen Knorpelscheiben geformt; ein Innen- und ein Außenmeniskus helfen auf jeder Seite bei der Kraftübertragung vom Ober- auf den Unterschenkelknochen. Wenn sie sich beim Fußball gegeneinander verdrehen oder ein gegnerischer Spieler das Knie trifft, kann der natürliche Stoßdämpfer Schaden nehmen. Weniger schlimm ist eine Meniskus-Quetschung: Ein paar Wochen Ruhe genügen dann zur Heilung. Ein Riss verursacht dagegen Schmerzen und muss häufig operiert werden.

„Es gibt drei wichtige Riss-Typen“, erklärt Casper. „Horizontalrisse, die vor allem bei Verschleiß auftreten, Quer- und Korbhenkelrisse. Bei letzteren ist der Meniskus längs gespalten, Knorpelteile können ins Gelenk rutschen.“ Meist versuchen die Ärzte, einen Riss zu vernähen. „Wir operieren mithilfe der Schlüsselloch-Chirurgie“, sagt Casper. „Dabei sind nur zwei Hautschnitte von je einem Zentimeter nötig. Durch einen wird eine Kamera eingeführt, mit der wir sogar um die Ecke schauen können. Durch die andere Öffnung transportieren wir die Instrumente.“ Der Arzt führt das eine Ende des Fadens durch die Gelenkkapsel ein, macht hinter dem Riss im Meniskus kehrt und geht mit der Nadel wieder nach außen.

Nach diesem U-förmigen Stich können die Enden des Fadens verknotet werden – die Meniskusteile werden dadurch aneinander gedrückt und können wieder verwachsen. Diese Methode wird auch umgekehrt durchgeführt: Dann wird der Faden zunächst von innen nach außen gestochen. Eine zweite Variante, den Meniskus zu fixieren, ist ein „Anker“. Er ist ein paar Millimeter groß und hat zum Beispiel die Form eines H – die längeren Balken werden quer auf die Verletzung gelegt, verhaken sich und fixieren die Teile dabei so, dass diese zusammenwachsen können.

Eine Meniskus-OP, für die meist nur das Bein betäubt wird, dauert etwa eine halbe Stunde, die Rehabilitationsphase aber sechs bis zwölf Wochen – eine so lange Pause können oder wollen sich die meisten Fußballer nicht erlauben. Viele entscheiden sich dafür, den beschädigten Teil des Meniskus herausoperieren zu lassen. Auch das beseitigt die Schmerzen. Nachteil: Bei Kniegelenken mit fehlenden Meniskusteilen wächst das Risiko für Arthrose. Björn Rosen

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