DER OP-Kurs : So wird bei Darmkrebs operiert

Björn Rosen

Bei Darmkrebs ist eine Operation eigentlich nicht zu vermeiden. Wie sie abläuft, hängt davon ab, wo sich der Krebs befindet und wie ausgedehnt er ist. Ist der Mastdarm – das hintere Ende des Darms kurz vor dem After – betroffen, muss oft auch der Schließmuskel entfernt werden. Ist nur ein höher liegender Teil des Dickdarms befallen, ist das nicht unbedingt nötig. „Die Patienten haben verständlicherweise Angst davor, dass der Schließmuskel herausgenommen wird“, sagt Peter Schlag, Direktor der Klinik für Chirurgische Onkologie der Charité. „Aber die meisten können trotz eines künstlichen Darmausgangs am Bauch wieder eine gute Lebensqualität erreichen.“

Zu Beginn der Operation schneidet der Arzt den Bauch vom Nabel bis zum Ansatz der Schambehaarung auf. Der Patient liegt auf dem Rücken, die Beine lagern etwas höher als der Rest des Körpers – so kann der Arzt den Schließmuskel nicht nur durch den Bauch, sondern auch von außen erreichen. „Zuerst inspiziert man den Bauchraum sehr genau“, sagt der chirurgische Onkologe Schlag. „Dort, wo der Tumor sitzt, ist der Darm nicht so beweglich und seine Wand sieht geschwollen aus.“ Zudem wird kontrolliert, ob auch Krebszellen in die Blase oder die Bauchdecke eingewachsen sind. Wenn ja, müssen auch Teile davon entfernt werden.

Als Nächstes wird das Tumorgebiet mit Klemmen von der Blutversorgung abgeschnitten, dann werden die Verbindungen gekappt. Der Arzt operiert aber nicht nur das direkt betroffene Gewebe heraus, sondern auch Teile des Darms darüber und darunter und auch die Lymphknoten – zur Sicherheit, falls der Krebs schon in scheinbar nicht befallene Gebiete vorgedrungen ist. „Man muss bei der OP besonders darauf achten, die Erektionsnerven und die Harnleiter nicht zu verletzen“, sagt Experte Schlag. „Der Gewebeblock, den man schließlich aus dem Bauch entnimmt, ist meist kindskopfgroß.“ Je nachdem, wie weit der Darm zu seinem unteren Ende hin entfernt werden muss, kann der Schließmuskel erhalten bleiben oder nicht. Am Schluss wird die Lücke im Darm geschlossen. Meist, indem der Arzt beide Enden zusammennäht. „Vorher müssen sie aber beweglich gemacht werden. Dazu trennt man sie von den Aufhängebändern.“ Wenn der Schließmuskel nicht erhalten werden konnte, wird das obere Darmende durch die Bauchdecke gezogen und dort fixiert. Durch diesen künstlichen Ausgang kann sich der Darm dann in einen außen angebrachten Beutel entleeren. Manchmal wird so ein Ausgang auch nur für ein paar Monate angelegt, obwohl der Schließmuskel erhalten geblieben ist – der Darm kann dann in Ruhe heilen, ohne dass Infektionen drohen. Wie bei anderen Krebsarten auch, ist nach der Operation manchmal noch eine Chemotherapie nötig. Björn Rosen

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