Der OP-Kurs : So wird beim Grauen Star operiert

Die Operation des Grauen Stars ist deshalb die in Deutschland häufigste überhaupt: Sie findet jedes Jahr etwa 500.000 Mal statt.

Björn Rosen

Einen „starren Blick“ attestierte man früher blinden Menschen – wohl aus dieser Redensart entwickelte sich die Bezeichnung „Star“. Beim Grünen Star ist der Sehnerv erkrankt. Der Graue Star eine Erkrankung der Augenlinse, trifft in höherem Alter fast jeden Menschen. Die Operation des Grauen Stars ist deshalb die in Deutschland häufigste überhaupt: Sie findet jedes Jahr etwa 500 000 Mal statt.

„Die Linse ist dafür zuständig, Licht zu bündeln“, erklärt Peter Rieck, Direktor der Augenklinik der Charité. „In ihr entstehen ständig neue Zellen, die später zu Fasern werden. Je älter man wird, desto schlechter scheint der Körper die Endprodukte dieses Stoffwechsels abbauen zu können. Sie sammeln sich in der Linse, die damit zunehmend ihre Transparenz verliert.“ Wer unter Grauem Star leidet, sieht die Welt bald wie durch ein Milchglas und kann am Ende erblinden.

Für die Operation genügt meist eine örtliche Betäubung durch Augentropfen oder eine Spritze neben das Auge. Man beginnt mit einem Schnitt von rund drei Millimetern am oberen Rand der Hornhaut, dem äußersten Teil der Augenhaut. Damit die vordere Augenkammer nicht in sich zusammenfällt, füllt der Arzt ein Gel ins Auge. Anschließend kann er mit einer Pinzette die Linse öffnen. „Diese besteht aus einer Membranhülle – der ,Kapsel‘ – und einem Kern. Nur dieser ist von der Eintrübung betroffen. Man entfernt ihn, lässt die Kapsel aber bestehen.“ Um die Linsenfasern im Innern von der Kapsel zu trennen, genügt es, über eine feine Kanüle Wasser in die Linse zu leiten.

Danach führt der Arzt eine Ultraschallsonde in die Linse ein. Man kann sich das Gerät wie einen Bleistift mit zwei dünnen Minen vorstellen. Durch eine dieser „Minen“ werden Ultraschallwellen gesandt, die den Linseninhalt verflüssigen oder in kleine Brocken zertrümmern. Gleichzeitig wird das Innere der Linse über die zweite Öffnung abgesaugt – bis nur noch die Kapsel übrig ist. Die leere Hülle bläht man mit Gel auf und „schiebt“ dann eine im Durchmesser etwa sechs Millimeter große Kunstlinse hinein. Sie besteht aus Acryl-Kunststoff und lässt sich gut falten. So passt sie auch durch die kleinere Öffnung in der Hornhaut. An ihren Seiten befinden sich zwei Bügel, die die Linse an der richtigen Stelle fixieren.

Den Schnitt in der Hornhaut braucht der Arzt meist nicht zu vernähen. Es genügt, ihn „zuzuklappen“: „Die Lamellen der Hornhaut werden durch den Druck im Auge aneinandergepresst.“ Vier Wochen darf man nun aber keinen Druck von außen auf die Hornhaut ausüben, sonst könnte sie sich wieder öffnen.

Die Heilungschancen sind gut. Die meisten künstlichen Linsen leisten allerdings nicht, was natürliche können: sich krümmen und dadurch das scharfe Sehen von Nahem und Fernem ermöglichen. Deshalb braucht man eine Brille, meist fürs Lesen. Nur bei etwa 10 bis 20 Prozent der Patienten tritt ein „Nach-Star“ auf. Dabei vermehren sich am hinteren Teil der Kapsel Zellen faserartig – und trüben erneut den Blick. Björn Rosen

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