DER OP-Kurs : So wird die Prostata bei Krebs entfernt

Björn Rosen

Prostata-Krebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern – und eine Diagnose mit ungewissen Aussichten. Haben sich noch keine Metastasen gebildet, kann der Patient durch Entfernung der Prostata geheilt werden. Doch in vielen Fällen ist der Mann nach der OP impotent.

Ob und wie rasch operiert werden sollte, ist umstritten. Einige Ärzte setzen darauf, ein Prostatakarzinom nur zu beobachten: Denn manchmal ist eine bösartige Geschwulst nicht besonders gefährlich. Leider können aber auch die Mediziner nicht sicher sagen, welches Karzinom sich aggressiv entwickeln wird. „Bevor man sich für eine bestimmte Therapie entscheidet, sollte man eine Zweit- und Drittmeinung einholen“, sagt Michael Lein, Oberarzt an der Charité.

Die Prostata, eine kastaniengroße Drüse, befindet sich unterhalb der Blase und produziert einen wichtigen Teil des Spermas. Durch ihre Mitte verläuft die Harnröhre, an ihren Seiten befinden sich Nerven, die die Erektion regulieren. „Bei der OP müssen wir die Prostata von ihrer Umgebung lösen“, sagt Urologe Lein. Heute ist dafür nicht mehr unbedingt eine offene Operation nötig. Für „laparoskopische“ Eingriffe machen die Ärzte nur fünf winzige Schnitte unterhalb des Bauchnabels. Dadurch werden dann kleine Scheren und eine Kamera eingeführt. Diese liefert Bilder aus dem Inneren. Die Ärzte operieren mit Blick auf einen Monitor. „Zuerst kappen wir die obere Verbindung der Prostata mit der Blase, dann trennen wir sie unten vom Beckenboden, dann wird sie ringsherum abgelöst.“ Nun liegt oben der „Hals“ der Blase frei, unten verbleibt ein Harnröhrenstumpf. Damit der Urin auch in Zukunft richtig fließen kann, werden die beiden Enden, zwischen denen vorher die Harnröhre verlief, vernäht. Schließlich wird eine kleine Plastiktüte eingeführt – in diesem Bergebeutel wird die abgetrennte Prostata herausgezogen, ohne dass sie umliegendes Gewebe berührt. Am Ende legt der Arzt einen Katheter, der für rund eine Woche im Körper bleibt und durch den der Urin abfließen kann. Viele Patienten haben ein paar Tage oder Wochen mit Inkontinenz zu kämpfen, weil ihr Beckenboden beschädigt wurde. Mit gezieltem Training bekommen aber rund 90 Prozent das Problem wieder in den Griff.

Wenn der Krebs nicht sehr aggressiv ist, können die für die Erektion wichtigen Gefäß-Nervenbündel gerettet werden. „Dann versuchen wir, diese links und rechts oder nur auf einer Seite von der Prostata abzulösen und sozusagen beiseite zu legen“, sagt Lein. „So besteht später zumindest die Chance auf eine Erektion.“ Kann nicht nervschonend operiert werden, ist der Patient dagegen auf jeden Fall impotent. Selbst Viagra hilft dann fast nie. Es gibt aber auch gutartige Prostatageschwülste, die sich oft medikamentös behandeln lassen. Davon sind viele ältere Männer betroffen. Björn Rosen

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