DER OP-Kurs : So wird ein Bypass gemacht

Björn Rosen

Bypass ist das englische Wort für Umleitung. So wie auf Straßen können sich nämlich auch in den Herzkranzgefäßen, die den Pumpmuskel mit Blut und Sauerstoff versorgen, Staus bilden. Sie verstopfen – zum Beispiel, weil sich an den Wänden zu viel Cholesterin angelagert hat. Wenn große Herzkranzarterien betroffen sind, droht ein Infarkt. Ein Bypass ist oft das letzte Mittel, ihn zu verhindern: Bei der OP wird um die blockierten Stellen eine Umgehung für das Blut gebaut.

Das „Baumaterial“ liefert der Patient selbst. Zu Beginn der Operation werden ihm aus Unter- und Oberschenkel Venen entnommen, aus denen mehrere Bypässe von bis zu 20 Zentimetern entstehen können. „Das dauert rund eine halbe Stunde. Das Bein kann die entfernten Venen später problemlos ausgleichen“, sagt Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor des Deutschen Herzzentrums in Berlin.

Damit der Arzt nun an das Herz herankommt, muss er den Brustkorb mit einer Säge öffnen und „aufklappen“. Die Blutzuflüsse des Herzens werden jetzt in eine Herz-Lungen-Maschine umgeleitet, die für die Dauer der Operation die Aufgaben des Pumpmuskels übernimmt: Sie reichert das Blut mit Sauerstoff an und schickt es zurück in den Körper, genauer: in die Hauptschlagader, die vom Herzen wegführt. Das Herz selbst wird durch eine Kaliumlösung stillgelegt. Dadurch kann der Arzt in Ruhe die Umleitungsvenen um die Gefäßengpässe verlegen. Mit einer Art Nylon näht er das eine Ende einer Vene an die Hauptschlagader, von wo später das Blut zufließen wird, und das andere Ende hinter der Verstopfung an.

„Natürlich sind die dünnen Venen eigentlich nicht dafür geschaffen, dem Herz Blut zuzuführen, weil sie einen viel niedrigeren Blutdruck gewöhnt sind“, sagt Herzchirurg Hetzer. Das Risiko, dass sie nach einigen Jahren verstopfen, ist groß. Deshalb wird der wichtigste Bypass am Herz aus der leistungsfähigeren inneren Brustwandarterie, der Mammaria interna, gebildet. Anders als die Venen, behält die Mammaria ihren Ursprung. An einem bestimmten Punkt wird sie abgetrennt und ihr Ende dann hinter eine Verstopfung des Herzkranzgefäßes genäht. Weil es noch eine zweite Brustwandarterie gibt, kann der Körper den Verlust ausgleichen. Danach wird wieder Blut durch das Herz geleitet, das automatisch zu schlagen beginnt. Manchmal sind ein paar Stromstöße nötig. Erst dann wird die Herz-Lungen-Maschine abgeklemmt. Am Ende wird der Brustkorb „zugeklappt“ und mit Metalldrähten verschlossen. Die OP dauert drei bis vier Stunden.

Bypass-Operationen sind nicht risikolos, aber oft ohne Alternative. Ein geringer Prozentsatz der Patienten erleidet während der OP einen Herzinfarkt, der aber gut behandelt werden kann. Nach der Operation dauert es einige Wochen, bis man wieder erholt ist. Beine und Brustkorb müssen verheilen, Venen und Brustwandarterie müssen sich an ihre neuen Aufgaben gewöhnen. Damit die Umleitungen nicht rasch genauso verstopfen wie die ursprünglichen Gefäße, ist es wichtig, künftig gesünder zu leben. Björn Rosen

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