DER OP-Kurs : So wird ein Hirntumor entfernt

Björn Rosen

In einem Tumor vermehren sich Zellen unkontrolliert. Manche Geschwülste wachsen nur langsam, ein aggressiver Hirntumor kann sich dagegen innerhalb weniger Monate verdoppeln. Da so ein Tumor auch in gesundes Hirngewebe einwandert, sollte er so schnell wie möglich entfernt werden.

Ein Eingriff am Gehirn, der Schaltzentrale des Körpers, ist sehr risikoreich. „Wenn der Tumor wichtige Areale befällt, etwa den Hirnstamm, wo die Atmung geregelt wird, gestaltet sich die Operation schwierig. Das ist aber nur bei 15 bis 20 Prozent der Tumore der Fall“, sagt Peter Vajkoczym, Direktor der Neurochirurgischen Klinik der Charité.

Vor der OP wird der Kopf so gelagert, dass er nicht verrutschen kann, zum Beispiel in einer festen Schale. Meist wird ein Hirntumor unter Vollnarkose operiert. In Einzelfällen bleibt der Patient bei Bewusstsein, weil man testen will, wie sich die OP auf die Hirnfunktionen auswirkt.

Zu Beginn schneidet der Arzt die Kopfhaut ein – an der Stelle, wo der Tumor der Oberfläche des Gehirns am nächsten ist. Dieser Punkt wird vorher durch eine Kernspintomografie ermittelt. Nun muss der Arzt das Muskelgewebe zur Seite schieben, so dass der Schädelknochen frei liegt – davon wird ein kreisrundes Stück herausgeschnitten. Als Nächstes wird die lederartige Hirnhaut mit einem Messer eingeschnitten. Der Chirurg näht einen Faden ein, an dem er die Haut hochklappen kann. Jetzt blickt er direkt auf das Gehirn. Ein mannshohes Mikroskop wird auf die Öffnung gerichtet und zeigt das Hirn in bis zu 40-facher Vergrößerung. Nun „schafft sich der Chirurg einen schmalen Korridor entlang von Nervenfaserbahnen, quer durch die Hirnspalten, das Gewebe, das die einzelnen Hirnteile zusammenhält“, sagt Vajkoczy. Am Tumor angelangt, wird ein dünner Stift eingesetzt, dessen Spitze Ultraschallwellen aussendet. Er zertrümmert das kranke Gewebe und sammelt über einen Saugkopf die toten Zellen ein: So wird die Geschwulst ausgehöhlt und fällt in sich zusammen.

Der Arzt entfernt alle Zellen, die er als Tumorzellen erkennen kann – im Gegensatz zu normalem Gewebe erscheint ein Tumor gräulicher, härter und blutet leichter. Am Ende wird die Tumorhöhle mit einer sterilen Kochsalzlösung ausgespült, das herausgeschnittene Schädelknochenstück wieder eingesetzt und mit einem Metallplättchen festgeschraubt.

Der Patient muss nach der OP noch etwa eine Woche im Krankenhaus bleiben. Zusätzliche Behandlungen, wie Strahlen- und Chemotherapien, sind aber oft unumgänglich. Björn Rosen

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