DER OP-Kurs : So wird ein Jungfernhäutchen wiederhergestellt

Björn Rosen

Öffentlich wird selten über die Operation gesprochen, aber im Internet ist sie ein großes Thema. „Ich brauche unbedingt Hilfe. Kennt ihr einen Arzt, der das macht?“, fleht etwa ein Mädchen, das sich Leyla nennt, auf den Seiten eines Medizin-Forums. Eine andere schreibt: „Ich hatte leider Sex und bereue es schrecklich.“ In muslimischen Familien wird von Frauen oft erwartet, dass sie als Jungfrau in die Ehe gehen – sonst bereiten sie der Familie Schande. Viele haben trotzdem schon vor der Hochzeit Sex und hoffen dann auf die operative Wiederherstellung des Jungfernhäutchens.

„Die Nachfrage nimmt stark zu“, sagt Christiane Tennhardt, Gynäkologin im Familienplanungszentrum „Balance“ in Lichtenberg, das die umstrittene OP anbietet: „Derzeit führen wir sie etwa ein- bis zweimal pro Monat durch.“ Beratung suchen meist 18- bis 24-Jährige; der Eingriff kostet 130 Euro. Andere Ärzte verlangen manchmal sogar viele Hundert Euro. „Der soziale Druck, Jungfrau sein zu müssen, kann bis zum Selbstmordversuch führen“, sagt Tennhardt. Eine Alternative: „Wir zeigen den Mädchen, wie sie die Blutung beim ersten Geschlechtsverkehr vortäuschen können.“

Das Jungfernhäutchen (oder Hymen) ist ein sehr dünnes Gewebe, das den Scheideneingang wie ein Ring umgibt und in der Mitte offen ist. Form und Stärke sind individuell sehr verschieden. „Es kann einen Zentimeter, aber auch nur wenige Millimeter messen.“ Je nachdem wie elastisch das Jungfernhäutchen ist, kann es beim Sport oder bei der Benutzung von Tampons reißen – oder eben beim ersten Geschlechtsverkehr. Es gibt aber auch Frauen, deren Hymen noch intakt ist, obwohl sie schon Sex hatten.

Eine standardmäßige Technik zur Wiederherstellung des Hymens gibt es nicht. Allerdings ist der 10- bis 15-minütige Eingriff, der bei lokaler Betäubung stattfindet, unkompliziert und risikoarm. Außerdem ist die Scheidenregion von Natur aus widerstandsfähig.

Zunächst muss die alte Wunde, also der Riss im Jungfernhäutchen, „angefrischt“ werden: „Dazu erneuert man die Verletzung der Haut mit einem Skalpell.“ Grund: „Man kann verheiltes Gewebe nicht mit verheiltem Gewebe vernähen.“ Anschließend werden die zwei Teile des Häutchens zusammengezogen und durch vier oder fünf Einstiche miteinander verbunden. Der Arzt verwendet hierfür einen Faden, dessen Material sich in einigen Wochen auflöst. Das erwünschte Ergebnis – die Blutung nach dem vermeintlich ersten Sex – kann aber auch die Operation nicht garantieren. Björn Rosen

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