DER OP-Kurs : So wird ein Leistenbruch operiert

Björn Rosen

Ein Leistenbruch ist ein Loch in der Bauchwand. In der weniger stabilen Region der Leiste bilden sich Lücken im Bindegewebe, durch die Fett und Darmteile aus dem Körperinneren herausdrängen. Das Bauchfell wird nach außen gestülpt, am unteren Ende des Bauches entsteht eine Schwellung. Wahrscheinlich ist eine angeborene Bindegewebsschwäche oder ein unvollständiger Bauchwandverschluss während der Embryonalzeit die Ursache. Eine Druckerhöhung im Bauch, etwa bei starkem Husten, einer Schwangerschaft oder dem Heben schwerer Lasten, kann die Probleme verstärken.

Ein Leistenbruch sollte fast immer operiert werden. Wenn sich die Beule nicht mehr zurückdrücken lässt und schmerzt, wird es lebensgefährlich. Dann sind Teile des Darms eingeklemmt, und es droht ein Darmverschluss.

Eine Leistenbruch-OP ist heute ein häufiger und risikoarmer Eingriff und dauert höchstens eine Stunde. Oft genügt eine lokale Betäubung.

Früher operierten die Ärzte meist offen, durch einen rund sechs Zentimeter großen Schnitt im Bauch. Immer wichtiger wird jedoch die „Schlüssellochchirurgie“. Dabei, so erklärt der leitende Oberarzt Henryk Thielemann vom Unfallkrankenhaus Marzahn, setzt man drei Schnitte, höchstens zwölf Millimeter lang, und führt durch diese „Schlüssellöcher“ dann alle Instrumente sowie eine Kamera ein.

Durch eines der Löcher pumpt der Arzt von Anfang an Kohlendioxid. Das bläht den Bauch auf und schafft so den nötigen Platz für die Operation. Dann schiebt er die Inhalte des Bauches, die nach außen gerutscht waren, wieder zurück. Anschließend führt er durch eine der Öffnungen ein zusammengerolltes Netz in den Bauch ein. Dort entfaltet es sich; es wiegt nicht mehr als 20 Gramm und ist nur zehn mal 15 Zentimeter groß. „Der Kunststoff, aus dem es besteht, wird vom Körper gut vertragen, aber nicht abgebaut. So kann das Netz ein Leben lang die Lücke in der Bauchdecke schließen und das Bindegewebe verstärken“, sagt Chirurg Thielemann. Es sollte nur nicht in Kontakt mit dem Darm kommen, sonst drohe eine Infektion.

Damit das nicht passiert, wird das Netz mit einer Eiweiß-Flüssigkeit festgeklebt oder mit kleinen Heftzangen aus Titan befestigt und dann mit Bauchfell bedeckt. So kann es nicht verrutschen. Außerdem sollte der Patient etwa zwei Wochen lang auf körperliche Anstrengungen verzichten. In dieser Zeit kann das Netz mit dem umliegenden Gewebe verwachsen. Die Mehrheit der Patienten hat dann keine Beschwerden mehr. Nur bei rund zwei Prozent kommt es zu einem erneuten Leistenbruch – etwa am Rand des Kunststoffnetzes. Björn Rosen

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