DER OP-Kurs : So wird eine Sterilisation beim Mann gemacht

Björn Rosen

Die Sterilisation oder Vasektomie ist die zuverlässigste Verhütungsmethode für den Mann. Trotzdem entschließen sich wenige für die Operation. Neben der Angst, „kein richtiger Mann mehr zu sein“, könnte das auch daran liegen, dass die gesetzlichen Krankenkassen nur die erste Beratung beim Urologen übernehmen. Für den Eingriff selbst muss der Patient etwa 250 bis 400 Euro zahlen.

Bei der maximal einstündigen Operation werden die Samenleiter durchtrennt. Sie führen von den Hoden, wo die Samenzellen produziert werden, zu den Samenbläschen und von dort zur Prostata, deren Sekret den Hauptteil der Samenflüssigkeit ausmacht. Am Ende münden die Samenleiter in der Harnröhre. Ist die Verbindung gekappt, können keine Spermien mehr nach außen gelangen. Eine Befruchtung der Frau ist damit ausgeschlossen.

Die OP beginnt mit einer Spritze in die Haut am Hodensack. Das Gewebe um den Samenstrang, in dem sich der Samenleiter befindet, wird zusätzlich betäubt. „Mit einem 0,5 bis ein Zentimeter kleinen Schnitt öffnet man anschließend die Haut des Hodensacks“, erklärt Severin Lenk, Urologe in Berlin-Mitte. „Durch diesen Zugang kann man an den Samenleiter gelangen und ihn etwas hervorziehen.“ Der wird an zwei Punkten, die etwa drei Zentimeter auseinander liegen, fest mit einem Kunststoff-Faden unterbunden. Dann macht der Arzt jeweils einen halben Zentimeter vor den Unterbindungen einen Schnitt und entnimmt das Teilstück: „Es bleiben zwei Stümpfe des Samenleiters zurück, die mit Fäden oder zusätzlich mit elektrischem Strom verschlossen und in unterschiedliche Schichten des Hodensacks versenkt werden, damit sie nicht wieder zusammenwachsen können.“ Nachdem die Wunde mit einer Naht verschlossen und mit einem Pflasterverband geschützt wurde, wird der Eingriff auf der anderen Seite des Hodensacks wiederholt.

„Wichtig ist, dass der Mann nach der Operation 14 Tage lang auf Geschlechtsverkehr verzichtet, sonst könnte die Naht aufgehen“, sagt Lenk. „Außerdem muss mindestens noch vier bis acht Wochen verhütet werden.“ Denn in der Samenblase, die sich ganz in der Nähe der Harnröhre befindet, sind noch eine Weile zeugungsfähige Spermien gespeichert. Durch einen Test beim Urologen lässt sich feststellen, wann dieser Vorrat aufgebraucht ist. Dann besteht auch kein Risiko für eine Schwangerschaft mehr.

Zwar bildet der Hoden weiter Samenzellen. Da diese aber keinen Weg mehr nach draußen finden, sterben sie einfach ab. Zehn Jahre kann es dauern, bis sich der Körper vollständig auf die veränderten Bedingungen eingestellt hat und die Produktion der Zellen erlischt. Bis dies so weit ist, kann die Sterilisation rückgängig gemacht werden. „Dafür setzt man ein Mikroskop ein, denn die durchtrennten Teile des Samenleiters müssen mit einem Faden – so dünn wie Spinnweben – wieder zusammengenäht werden.“

Eine Sterilisation erhöhe nicht das Risiko, an Prostata- oder Hodenkrebs zu erkranken, betont Urologe Lenk. Auch Impotenz könne dadurch nicht verursacht werden: „Es gibt aber Patienten, die sich danach nicht mehr als richtige Männer fühlen und deshalb unter Erektionsstörungen leiden.“Björn Rosen

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