Gesundheit : Der Pandemie begegnen

Robert-Koch-Preis an Grippeforscher verliehen

Paul Janositz

Robert-Koch-Preis an Grippeforscher verliehen>/b> Von einem gefährlichen Erreger sind die drei Männer infiziert, die jetzt an der Berliner Charité geehrt wurden. Glücklicherweise ist ihre Ansteckung nicht körperlich, denn das Grippevirus kann tödlich wirken. Vielmehr hat der Erreger den wissenschaftlichen Ehrgeiz von Peter Palese (Mount Sinai Medical School, New York), Yoshihiro Kawaoka (Universität Tokio) und Hans-Dieter Klenk (Universität Marburg) enorm aktiviert.

Die Virologen wollen den genetischen Aufbau des Influenza-Virus klären. Sie wollen wissen, in welche Formen es ständig neu schlüpft, wie gefährlich diese sind und wie man sich schützen kann. Für ihre bahnbrechenden Entdeckungen erhielten nun der Chemiker und Pharmazeut Palese, gebürtiger Österreicher, sowie der japanische Veterinärmediziner und Mikrobiologe Kawaoka den mit insgesamt 100 000 Euro dotierten Robert-Koch-Preis 2006. Für sein Lebenswerk wurde der Mediziner und Biochemiker Klenk mit der Robert- Koch-Medaille in Gold geehrt. Er leitet seit 1985 das Marburger Institut für Virologie und forscht über Infektionen durch Ebola-, Marburg- oder Influenzaviren.

Die Grippeviren stehen derzeit wieder im Mittelpunkt. Die Fragen, ob die Vogelgrippe wieder aufflackert, ob die bisher ausgebliebene Übertragung des Virus von Mensch zu Mensch wahrscheinlicher wird, und schließlich, was man gegen eine Pandemie machen könnte, beherrschten die Ausführungen der Preisträger.

Antworten lassen sich mit der von Palese entwickelten „reversen Genetik“ finden. Diese Methode macht es möglich, Erbinformationen gezielt zu untersuchen. „Wir ändern einen Genabschnitt an einer bestimmten Stelle und analysieren, wie sich das auf den Erreger auswirkt“, sagte Palese. So fand er heraus, dass die Hemmung des Enzyms Neuramidase das Virus außer Gefecht setzen kann. Nach diesem Prinzip wirken Medikamente wie Tamiflu. Auch neuartige Viren lassen sich gentechnisch herstellen, was für die Produktion von Impfstoffen wichtig ist.

Doch heute weiß man noch nicht, wie das Virus letztlich aussehen wird, dem der Sprung von Mensch zu Mensch gelingen könnte. Orte im Genom, an denen die Mobilmachung des Erregers erfolgen könnte, hat Kawaoka bereits identifiziert, an Proteinen wie Hämagglutinin oder Polymerase. Wenn es dann so weit wäre, müssten schnell geeignete Impfstoffe hergestellt werden.

Der bisherige Weg mit bebrüteten Hühnereiern wäre versperrt. Den Ausweg bieten Impfstoffe, die in Bioreaktoren hergestellt werden. In den USA werde mittlerweile eine Milliarde Dollar in diese Technik investiert, erklärte Palese. Auch in Europa seien einige Unternehmen, etwa Novartis Behring in Marburg, dabei, Impfstoffe aus Zellkulturen zu produzieren, sagte Klenk.

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