Gesundheit : Der reale Nutz: Preußens früher Glanz

Heiko Schwarzburger

Nicht fürs stille Kämmerlein, sondern zum Ruhme Brandenburg-Preußens: Diese Absicht verfolgte Gottfried Wilhelm Leibniz, als er zu Beginn des 18. Jahrhunderts auf die Gründung einer Akademie der Wissenschaften in Berlin drängte. Damit lag er im Trend, denn der preußische Hof schickte seine Späher nach Frankreich und England aus, um sich dort Kenntnisse über Brückenbau, Astronomie oder Landwirtschaft anzueignen. Die Staatsbibliothek zeigt jetzt in einer Ausstellung in ihrem Vestibül Unter den Linden, wie damals das wissenschaftliche Leben in Berlin aufblühte.

Über 200 Exponate sind zu sehen, darunter zahlreiche Portraits, Handschriften, Briefe, Karten, Rieseberichte und historische Bücher. Sie legen Zeugnis ab von einer Epoche, in der sich Preußen nach französischem Vorbild anschickte, eine Großmacht zu werden.

Das 18. Jahrhundert gilt gemeinhin als Zeitalter der großen Philosophen und der Aufklärung. Doch mit dem Aufstieg des Bürgertums in den Städten gewannen die verwertbaren Ergebnisse aus den Naturwissenschaften und der Technik an Bedeutung. In Helmstedt ging die erste preußische Dampfmaschine in Betrieb. Die erste gepflasterte Chaussee Preußens verband Berlin mit Potsdam. Die Akademie hatte eigens für den Straßenbau einen Preis gestiftet. Preußische Beobachter kehrten aus England zurück, wo sie sich den Bergbau angesehen hatten. Um 1770 entstand Berlins Bergbau-Akademie.

Unmengen französischer und englischer Literatur trafen in Berlin ein. Das zog Verleger an, sie publizierten Übersetzungen. Die Staatsbibliothek zeigt beispielsweise einen Sortimentskatalog des Verlegers Friedrich Nicolai. Zahlreiche Briefe belegen Kontakte Berliner Forscher nach Süddeutschland, wo sie Mikroskope und Fernrohre bestellten. Das erste staatliche Observatorium Preußens entstand auf dem damaligen Grundstück der Akademie, ungefähr dort, wo heute der Eingang zur Universitätsbibliothek der Humboldt-Universität liegt. Mit Unterstützung des Heimatmuseums Zehlendorf, der Domäne Dahlem und des Naturkundemuseums trug die Staatsbibliothek auch handfeste Exponate zusammen.

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