Gesundheit : „Der Schwamm ist ausgedrückt“

Wo liegt die Zukunft der Berliner Wissenschaftspolitik?

Adelheid Müller-Lissner

Es begann mit Komplimenten. „Berlin kann extrem entschlossen, schnell und planungsrichtig handeln", stellte Rudolf Schmitz zufrieden fest. Er ist Geschäftsführer und Generalbevollmächtigter am Forschungs- und Wirtschaftsstandort Berlin-Adlershof. „Berlin-Brandenburg ist eine der herausragenden Wissenschaftsregionen in Deutschland", lobte auch Winfried Benz, ehemals Generalsekretär des Wissenschaftsrates. Berlins Universitäten könnten stolz darauf sein, den höchsten Anteil ausländischer Studenten wie auch von Studenten aus anderen Bundesländern zu haben.

Benz brachte als einziger Teilnehmer den Blick von außen in das Podiumsgespräch der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Zukunft der Berliner Forschung ein. War so viel Lob wirklich auf die Stadt gemünzt, mit deren Verwaltung etwa Detlev Ganten vom Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin immer wieder die leidvolle Erfahrung macht, „gegen – wenn auch gutwillige – Gummiwände“ anzurennen? Über deren Politik Hans-Jürgen Prömel, Vizepräsident der Humboldt-Universität, seufzt, „der permanente Umbruch bindet viele Kräfte unproduktiv“. Eine Stadt, der Thomas Hertz, Geschäftsführer der IHK Berlin und Kopf der Initiative „An morgen denken“, vorwirft, mit der Verquickung von Kultur und Wissenschaft bei einem Senator besonders der Wissenschaft nicht gerecht zu werden?

Die Kritik hat nicht zuletzt mit Geld zu tun. „Wer Berlin auf gesunde Beine stellen will, muss die Stärken der Stadt ausbauen, aber auch dafür sorgen, dass wir nicht auf Kosten unserer Kinder leben“, meinte Ex-Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing, die im Abgeordnetenhaus dem Wissenschaftsausschuss vorsitzt. Eine Chance sieht sie in der Schwerpunktbildung.

Im Mittelpunkt der Diskussion standen auch hier die Veränderungen für Berlins Hochschulmedizin. Diese soll – nach den Empfehlungen der Expertenkommission unter Leitung von Benz – zu einer Fakultät mit zwei Standorten zusammengeführt werden. Die vom Berliner Senat verlangten Einsparungen von 98 Millionen Euro müssen bis zum Jahr 2010 erbracht sein. Was wird dann mit dem Virchow-Klinikum? Benz sagte, der Vorschlag, diesem Teil der Charité „längerfristig" den Universitätsstatus zu nehmen, sei nicht an ein konkretes Datum geknüpft worden. Die Kommission habe zwar, im Gegensatz zu den „Leuchttürmen Benjamin Franklin und Campus Mitte", im Campus Virchow wenig Forschungsaktivitäten gefunden, die dem Hochschul-Auftrag entsprechen. „Doch wenn dort in fünf bis zehn Jahren plötzlich ein Wissenschafts-Juwel entsteht, kann die Entwicklung anders laufen.“

Benz versicherte, dass die Kommission sich schwer damit tat, der Hochschulmedizin eine solche „Tortur“ des Sparens zu verordnen: „Damit ist der Schwamm dann aber auch ausgedrückt!“ Nun müsse die Politik „Organisationsruhe“ und „Verlässlichkeit der Haushaltslage“ schaffen. Wissenschaftssenator Thomas Flierl (PDS) versprach der Berliner Hochschulmedizin denn auch Kontinuität – nach einer Phase der Konsolidierung.

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