Gesundheit : Der Unbestechliche - Zum Tod des Akademiemitglieds und Wissenschaftshistorikers

Jürgen Kocka

Niemand hat die Geschichte der Preußischen Akademie der Wissenschaften so gut gekannt wie der Historiker Conrad Grau, der am 18. April, 67-jährig, aus dem Leben schied. Seit 1957 gehörte der gebürtige Magdeburger der Akademie der Wissenschaften der DDR an, seit 1982 als Professor. Nach der Wende setzte er seine wissenschaftsgeschichtlichen Arbeiten in der Berlin-Brandenburgischen Akademie fort. Noch als Ruheständler gehörte er zu den Aktivisten einer Arbeitsgruppe, die die Geschichte der von Leibniz 1700 gegründeten Akademie aus Anlass des bevorstehenden 300. Jubiläums untersucht.

Conrad Grau hatte über Russische Geschichte promoviert. Er übersetzte auch Literatur aus dem Russischen. Er forschte über Wissenschafts- und Kulturgeschichte von der Aufklärung bis zur Gegenwart, vor allem über die Geschichte der Akademien in ihrem kulturellen und politischen Umfeld. Hierüber hat er umfassend publiziert. Er war ein ausgezeichneter Fachmann, ein viel gefragter Referent, ein angesehener Wissenschaftler, ein kooperativer Kollege. Er besaß beneidenswerte Kenntnisse, ein genaues Urteil, einen selbstständigen Geist. Nicht vielen Historikern ist es gelungen, sowohl in der DDR als auch im vereinigten Deutschland ihren Beruf erfolgreich auszuüben. Dass dies unterhalb der Leitungsebene möglich war, beweist das Werk Conrad Graus. Sein Tod reißt eine empfindliche Lücke.

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