Gesundheit : Der verlorene Satellit kehrt zurück

Nach spektakulärer Rettung erreicht „Artemis“ seine Umlaufbahn

Joachim Mahrholdt

Es passiert in der Raumfahrt nicht oft, dass aus einer Panne doch noch eine Erfolgsgeschichte wird – wie jetzt im Falle des 800 Millionen Euro teuren Nachrichtensatelliten Artemis (nach der griechischen Göttin der Jagd). Hier gelingt nun eine Rettungsaktion, die aus einer Science-Fiction-Story stammen könnte. 18 Monate nach dem missglückten Start, wird der Satellit am 31. Januar doch seine geplante Position in 36000 Kilometern Höhe einnehmen.

Alles begann mit dem Versagen der Trägerrakete Ariane-5. Wenige Minuten nach dem Start am 12. Juli 2001 kam es zu einer „Verbrennungsinstabilität“ der letzten Stufe, die Artemis und einen japanischen Satelliten bis nahe an ihre geostationäre Bahn in eben 36000 Kilometern Höhe hätte bringen sollen. Das Raketentriebwerk brachte nicht genügend Leistung. In 17000 Kilometern Höhe war Schluss. Es war das Aus für den zweiten Kommunikationssatelliten – jedoch nicht für Artemis.

Dieser hochmoderne Experimentalsatellit der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa ist nämlich nicht nur mit dem üblichen Verbrennungstriebwerk ausgerüstet, sondern verfügt als erster europäischer Flugkörper zusätzlich über einen Ionenantrieb, Klangvoller Name: Rita (Radiofrequenz-Ionentriebwerksaggregat), hergestellt von Astrium in Ottobrunn. Der Ionenantrieb war ursprünglich nur zur Bahnstabilisierung während der auf zehn Jahre angelegten Nutzungszeit vorgesehen. Jetzt war es Aufgabe der Ingenieure, die Motoren ganz anders als geplant einzusetzen – eine riskante Premiere im All.

Wenige Tage nach dem Start wurde das Verbrennungstriebwerk gezündet, das Artemis auf 31000 Kilometer Höhe brachte. Dann wurde die Antriebssoftware umgeschrieben, um Rita über längere Zeit zünden zu können. Vor einem Jahr, im Februar 2002, war es so weit: Das Ionentriebwerk wurde gestartet; die Kletterpartie begann. Seitdem nähert sich Artemis mit knapp einem Kilometer pro Stunde seiner endgültigen Umlaufbahn. Eine langwierige Angelegenheit, die in der Natur des Triebwerkes liegt. Im Gegensatz zum chemischen Antrieb, bei dem Treibstoff und Sauerstoff verbrannt und in großen Mengen mit einer Geschwindigkeit von einem Kilometer pro Sekunde ausgestoßen werden, baut sich der Rückstoß des Ionentriebwerkes wesentlich langsamer auf. Hier werden Kleinstmengen des Edelgases Xenon durch elektrische Felder ionisiert. Die Solarsegel sorgen für den nötigen Strom.

So findet Artemis’ Reise doch noch ein gutes Ende. Mit dem Satelliten will man moderne Übertragungstechniken, etwa die Datenübermittlung per Laser, erproben. Allerdings werden die Manöver, die dem Satelliten „das Leben“ retteten, soviel Treibstoff gekostet haben, dass Artemis nicht mehr die geplante Einsatzdauer von zehn Jahren schaffen wird.

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