Gesundheit : Der wirklich intelligente Fußball spielt im Computer

CHRISTIANE HABERMALZ

Die Humboldt-Uni errang den WeltmeistertitelVON CHRISTIANE HABERMALZEigentlich sind es nur elf farbige Punkte auf grünem Bildschirm.Doch sie sind intelligent.Sie treffen Entscheidungen je nach Spielgeschehen.Sie sind schnell am Ball und können treten, stoppen und kicken.Und sie sind die ultimativen Champions: In der vergangenen Woche holte das "Agententeam Humboldt", programmiert und begleitet von Informatikprofessor Hans-Dieter Burkhard und den beiden Studenten Jan Wendler und Markus Hannebauer, in Japan überraschend den Weltmeistertitel im Computer-Fußball.In einem spektakulären Finale schlugen die elf "Agenten" der Humboldt-Universität das renommierte Team des Tokyo-Institute of Technology mit 11 : 2 Toren. Ort des Geschehens war der "RoboCup 97", die erste Fußball-WM ohne menschliche Spieler, die vergangene Woche bei der 15.Internationalen Konferenz für künstliche Intelligenz in der japanischen Stadt Nagoya abgehalten wurde.Über 30 Arbeitsgruppen aus Europa, Japan und den Vereinigten Staaten hatten teilgenommen und ihre virtuellen Teams gegeneinander antreten lassen.Höchstgeschwindigkeit der Spieler, Energiereserven und Beschaffenheit des Spielfeldes waren vom Veranstalter vorgegeben worden, zusätzlich gab es eingebaute unbekannte Faktoren wie Rasenunebenheiten oder Windböen.Ein halbes Jahr hatten die Arbeitsgruppen Zeit, ihre Mannschaften entsprechend den Gegebenheiten zu programmieren.Doch nach dem Startklick bolzten die blinkenden Punkte auf dem Bildschirm völlig autonom. Wie auf dem wirklichen Rasen ist jedem der elf "Agenten" auf dem Spielfeld eine bestimmte Rolle zugewiesen.Sie können errechnen, wie schnell der Ball auf sie zukommt oder welcher Mitspieler für eine Flanke günstig steht.Nur mit der Ausdauer ist es nicht so weit her: Jeder Spieler hat nur eine begrenzte Anzahl an "Energiepunkten": nach einem Spurt über die halbe Spielfeldlänge sind die blinkenden Punkte groggy und müssen sich erst wieder erholen. Beim "RoboCup 98", der kommendes Jahr parallel zu den Fußballweltmeisterschaften in Paris stattfinden wird, will das Trainerteam von der Humboldt-Uni seinen Titel verteidigen.Bis dahin sollen die Kicker noch verbessert werden: "Sie sollen lernfähig sein und untereinander kommunizieren können", kündigt Wendler an.Gern wären die Weltmeister beim diesjährigen Wettbewerb auch mit richtigen Robotern dabei gewesen, doch die sind leider sehr teuer."Nächstes Jahr vielleicht", überlegt Professor Burkhard, der am Fachbereich für Informatik Vorlesungen in künstlicher Intelligenz hält."Möglicherweise tun wir uns mit der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung in Bonn zusammen.Die haben nämlich schon Roboter." In einem zweiten Wettbewerb waren in Nagoya in der "Small Size Leage" und der "Middle Size League" kickende Roboterteams gegeneinander angetreten.Die blechernen Fußballstars ähneln in etwa den ersten Mondfahrzeugen oder fahrenden Mülltonnen.Sie laufen auf Rädern oder Rollen und orientieren sich über Sensoren oder Funksignale.Allerdings haperte es bei vielen von ihnen noch etwas mit dem Dribbeln.Manche seien immer nur auf der eigenen Position hin- und hergerollt, weil die Orientierung versagt habe, andere verhakten sich in den Ecken des Spielfeldes.Einer der Roboter war statt des roten Balles, auf den er programmiert war, einem roten Pullover im Zuschauerraum gefolgt und dabei ständig gegen die Bande geknallt.Das Finale der "Middle Size League" mußte schließlich unentschieden gewertet werden, weil bei einem Team die Batterien erschöpft waren."Wirklich intelligenter Fußball ist eben doch nur auf dem Computerbildschirm möglich", sagt Burkhard.Wenn das nur nicht Berti Vogts hört.

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