Gesundheit : Der Zug rollt in Richtung Billigtarif

Anja Kühne

Nach jahrelangem Gerangel könnte an der Freien Universität in den nächsten Tagen die Entscheidung für ein Semesterticket fallen. Vom heutigen Montag bis zum Ende der Woche stimmen die 42 000 Studentinnen und Studenten darüber ab, ob sie das Angebot der BVG und der S-Bahn annehmen. Wenn ja, müssen in Zukunft alle Studierenden der Hochschule das Ticket bezahlen - selbst wenn sie lieber mit dem Fahrrad oder dem Auto fahren. Das Geld wird dann vom kommenden Wintersemester an gemeinsam mit den Rückmeldegebühren und den Beiträgen fürs Studentenwerk eingezogen. Dafür werden Bus und Bahn für alle billiger.

Was das Ticket die FU-Studenten kosten wird, steht noch nicht genau fest. Für das nächste Sommersemester bieten die Verkehrsbetriebe das Ticket noch für 109 Euro an. Davon profitieren bereits die Studierenden der Fachhochschule Alice Salomon. Im Sommer fahren auch die Studenten der TU zu diesem Tarif, die sich schon im November mit großer Mehrheit für das Ticket in einer Urabstimmung entschieden hatten, sowie die Studenten der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft. Die S-Bahn will nach dem Sommer aber einen höheren Preis durchsetzen, nämlich 114 Euro. Deshalb müssen die Studenten der FU auf den Stimmzetteln auch sagen, ob sie gegebenenfalls mit diesem Tarif einverstanden wären.

Die Studenten können sich mit dem Ticket in den Tarifzonen ABC bewegen und ein Fahrrad sowie Kinder bis zum vollendeten sechsten Lebensjahr mitnehmen. Zusätzlich zahlt jeder drei Euro in einen Sozialfonds ein. Aus diesem Topf sollen Studenten unterstützt werden, die das Geld für das Ticket nicht aufbringen können. Das Semesterticket kommt, wenn mindestens zehn Prozent ihre Stimme abgeben und davon die meisten dafür stimmen.

Seit acht Jahren wird in Berlin über das Semesterticket gestritten. Die Gruppe "Semtix", die die Verhandlungen mit den Verkehrsbetrieben für die Asten der Hochschulen führte, war mit verschiedenen Angeboten nicht einverstanden. Verschiedene Studentengruppen kritisierten dagegen die aus ihrer Sicht unrealistisch hoch gegriffenen Forderungen von "Semtix". Aus Frustration über die jahrelangen Verhandlungen hatte der Asta der Technischen Fachhochschule bereits im Frühjahr vor zwei Jahren ein eigenes Modell ausgehandelt: Alle Studenten müssen dabei nur rund 40 Euro im Semester abführen.

Wer auch außerhalb des Wochenendes mit der BVG fahren will, kauft sich Monatsmarken (für etwa 20 Euro für die Zonen AB und 27 Euro für die Zonen ABC). Auch an der FU haben Studenten einen Alleingang versucht: Vor drei Jahren sammelten sie 5000 Unterschriften, um eine Urabstimmung über das Ticket zu erzwingen. Daran beteiligten sich damals aber zu wenig Studierende. Stephan Manske von der Gruppe "Demokratisches Forum", der sich für das Ticket einsetzt, hofft diesmal auf eine höhere Beteiligung: "Damals hat der Asta Negativwerbung gemacht." Marek Schauer vom Asta hält die Kritik nicht für begründet: "Wir hätten damals nur die Zonen A und B für den Preis bekommen. Uns geht es um die Sozialverträglichkeit." Studenten in anderen Bundesländern haben in der Vergangenheit vergeblich gegen das Ticket geklagt.

Der Referat, die Studentenvertretung für die 35 000 Studenten der Humboldt-Uni, steht dem Angebot von BVG und S-Bahn immer noch abweisend gegenüber. Mehr als 102 Euro darf ein Ticket für die Zonen ABC nicht kosten, sagt Oliver Stoll, der für das Semesterticket Zuständige des Studentenparlaments: "Wir wollen mit studentischen Geldern nicht den Landeshaushalt sanieren." Der Asta der Humboldt-Uni will im Februar mit der BVG verhandeln. Im Vergleich mit dem Azubi-Abo der BVG für die Zonen ABC sparen Studenten mit dem Semesterticket mindestens 280 Euro im Jahr. Studenten, die bislang ein Abo für die Zonen AB hatten, sparen jährlich 170 Euro.

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