Gesundheit : Der zweite Blick auf Chromosom 7

Einige Teile tarnten sich als Gene

Paul Janositz

Nicht alles ist Gold, was glänzt. Und nicht jede Folge von Aminosäuren, die wie ein Gen daherkommt, ist wirklich ein Gen. „Pseudogen“, nennt das David Torrents, der am Europäischen Molekularbiologischen Laboratorium in Heidelberg (EMBL) forscht. Der Molekularbiologe gehört zu den Forschern, die jetzt die genetische Struktur des Chromosoms 7 entschlüsselt haben. „Dabei haben wir verschiedene Regionen entdeckt, die bisher fälschlicherweise als Gen galten“, sagt der Forscher aus Barcelona.

Das Chromosom 7 enthält mit mehr als 150 Millionen Bausteinen etwa fünf Prozent der menschlichen Erbsubstanz. Darunter befinden sich Erbanlagen, die mit Krankheiten wie Autismus, Leukämie oder Mukoviszidose zusammenhängen. Mit der aktuellen Veröffentlichung in der Fachzeitschrift „Nature“ zieht das 107-köpfige Autorenteam, das im Rahmen des öffentlich geförderten „Human Genom Projekts“ arbeitet, mit einer internationalen Forschergruppe um den Kanadier Stephen Scherer von der Universiät Toronto gleich. Auch dieses mehr als 80-köpfige Team, das laut Torrents von der amerikanischen Biotech-Firma Celera finanziert wurde, hatte sich mit der Entzifferung von Chromosom 7 beschäftigt und die Ergebnisse bereits im April im Fachmagazin Science beschrieben.

Ähnlich war die Situation bei der Analyse der menschlichen Genoms, bei der es ebenfalls eine Konkurrenz zwischen den öffentlich und industriell geförderten Gruppen gegeben hatte. Mittlerweile ist zwar die Reihenfolge der rund drei Milliarden Bausteine der menschlichen Erbsubstanz weitgehend bekannt, doch Feinschliff und Interpretation des Ergebnisses stehen noch aus. Nun nehmen sich die Forscher nach und nach die Chromosomen vor, die 23-paarig in jeder menschlichen Körperzelle vorhanden sind. Erfolgsmeldungen gab es bereits für die Chromosomen 21, 22 oder 14.

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