Dermatologie : Hautkrebs lässt sich lichten

Heller Hautkrebs ist die häufigste von der Sonne verursachte Tumorarten: In vielen Fällen helfen spezielle Lichttherapien oder Cremes und Gels.

Adelheid Müller-Lissner
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Unter der Lupe. Nur Hautärzte erkennen genau, welche Flecken harmlos sind. Foto: dpa

Eigentlich waren es ihre zahlreichen Leberflecken, die Sabine W. veranlasst hatten, zum Hautarzt zu gehen. Sie wollte ihre Haut auf verdächtige Veränderungen durchchecken lassen. Die Hautkrebs-Vorsorge-Untersuchung, die ohnehin jedem Erwachsenen empfohlen und inzwischen auch von den Krankenkassen bezahlt wird, ist für Hellhäutige mit vielen Muttermalen und Leberflecken schließlich besonders wichtig. Der Dermatologe zeigte jedoch nicht auf eines der dunklen Muttermale auf dem Rücken der 41-Jährigen, sondern auf einen erhabenen Fleck an ihrer Schläfe, den etwas Schorf bedeckte: „Was haben Sie denn da im Gesicht?“ Der Arzt nahm eine Gewebeprobe. Eine Woche später lag das Ergebnis vor: Heller Hautkrebs, genauer: Basalzellkarzinom.

Wenn das Wort Hautkrebs fällt, denken die meisten sofort an das Melanom, den Schwarzen Hautkrebs. Die mit Abstand häufigste Veränderung, die der Aufenthalt in der Sonne bewirken kann, ist dabei der Helle Hautkrebs. Unter diesem Begriff fassen Mediziner mehrere Arten von Hautkrebs zusammen. Da ist zunächst die „Aktinische Keratose“, eine Frühform, bei der die Veränderung auf die oberste Hautschicht beschränkt ist. Dort bilden sich gerötete Hautareale mit fest haftenden Schuppen. Dringt diese Art der Zellveränderung in tiefere Gewebeschichten vor, so sprechen die Mediziner vom invasiven Plattenepithelkarzinom. Es wird auch Spinaliom oder Stachelzelltumor genannt.

Neun von zehn Tumoren dieser Art bilden sich auf den „Sonnenterrassen“ des Gesichts, auf der Stirn, der Nase, den Ohren und den Lippen. Die häufigste Form von Hellem Hautkrebs, das Basalzellkarzinom oder Basaliom, entwickelt sich aus Zellen der unteren, basalen Haarfollikel der Haut, die entarten und sich ungebremst teilen und vermehren. Das Basalzellkarzinom bildet zwar keine Tochtergeschwulste, doch es kann die Haut der Umgebung zerstören, wenn es sich aggressiv ausbreitet.

Grund genug für eine frühe Behandlung. Neben einem Eingriff mit dem Skalpell gibt es dafür heute gleich zwei elegante, unblutige Möglichkeiten. Der Hautarzt von Sabine W. riet zur Photo dynamischen Therapie. Dabei wird das Tumorgewebe durch Zellgifte zerstört, die sich nach der Bestrahlung mit rotem Kaltlicht entwickeln. Die Behandlung geht in zwei Schritten vor sich: Zuerst wird die Hautstelle mit einer speziellen Creme bedeckt. Wenn sie mehrere Stunden lang unter einer Spezialfolie einwirken kann, bilden sich in der Haut Stoffe, die vermehrt Licht absorbieren und weitergeben können. Anschließend wird die Stelle für kurze Zeit mit der Speziallampe belichtet. Die ganze Prozedur muss meist zweimal durchlaufen werden. Studien zeigen, dass in vier von fünf Fällen danach die Aktinischen Dermatosen oder kleineren Basalzellkarzinome verschwinden. „Man sollte allerdings nicht verschweigen, dass einige Patienten die Prozedur als recht schmerzhaft empfinden“, sagt Eggert Stockfleth, Leiter des Haut Tumor Centrums der Charité. In besonders schwierigen Fällen, wie sie sich an einer Uniklinik häufiger finden, muss deshalb manchmal sogar eine kurze Vollnarkose gemacht werden.

Sabine W., der ihr Hautarzt zu dieser Therapie riet, hat die Schmerzen jedoch nicht als dramatisch empfunden. Allerdings war die Haut im Bereich der Schläfe nach den Therapiesitzungen zwei Tage lang ziemlich angeschwollen. Als Privatpatientin hatte sie dafür ein weiteres Problem nicht, das Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen kennen: Ihre Kassen zahlen die Photodynamische Therapie nicht, die Behandlung, die mit ungefähr 180 Euro pro Sitzung zu Buche schlägt, muss als Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL) selbst bezahlt werden.

Denn es gibt eine zweite gute Therapiemöglichkeit: Man kann dem Hellen Hautkrebs und seinen Frühformen seit einiger Zeit auch mit einer Creme oder einem Gel zu Leibe rücken. Sie beeinflussen das Immunsystem und führen zu spezifischen Entzündungsreaktionen, in deren Folge die veränderten Zellen absterben. Die Prozedur dauert ein paar Monate, und wer Erfolg haben will, muss gewissenhaft eincremen. Um seine Patienten zur Geduld zu motivieren, hat Stockfleth ein ziemlich überzeugendes Argument auf Lager: „Ihre Hautveränderung hat 30 Jahre gebraucht, um sich zu entwickeln – da sind drei Monate für eine milde Behandlung doch nicht viel Zeit!“ Vor allem wenn eine Aktinische Keratose große Flächen bedeckt, etwa auf einem unbehaarten Haupt, das viele Jahre lang der Sonne ausgesetzt war, ist Eincremen effektiver als die Lichtbehandlung. „Ich kann mir aber gut vorstellen, dass wir beide Behandlungsformen in Zukunft häufiger kombinieren“, sagt der Charité- Dermatologe. Zum Beispiel könne man die Photo dynamische Therapie für jene Stellen einsetzen, die der Creme auch nach monatelanger Behandlung widerstanden haben.

Stockfleth empfindet es auch als Aufgabe der dermatologischen Forschung, bei der Entwicklung von sicherem Sonnenschutz mitzuwirken. So kommt jetzt ein Produkt auf den Markt, das in einer Charité-Studie an Menschen getestet wurde, die nach einer Organtransplantation wegen der medikamentösen Unterdrückung des Immunsystems besonders gefährdet sind, Hautkrebs zu entwickeln.

Sabine W. ist froh, dass sie bei der Früherkennung war – und dass die Behandlung ihres Basalzellkarzinoms so gut angeschlagen hat. Natürlich beunruhigt es sie, dass der Helle Hautkrebs bei ihr in relativ jungen Jahren zugeschlagen hat. Und das, obwohl sie im Urlaub schon bisher auf guten UV-Schutz geachtet hat. Sie hat sich vorgenommen, noch besser aufzupassen: „Ich werde Sonnencremes mit doppelt so hohem Lichtschutzfaktor benutzen, und ich empfehle jedem, auch im Alltag Gesichtscremes und Make-up mit UV-Schutz zu verwenden.“ Adelheid Müller-Lissner

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